Krebs: Irrtümlich geteilt

27. November 2005, 19:05
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Die Entstehung von Krebs ist im Prinzip ein simpler Vorgang. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen: Eine Zelle glaubt aufgrund falscher Informationen, sich teilen zu müssen. Das wäre grundsätzlich kein Problem, solange sie von ihren Nachbarzellen in Schach gehalten wird.

Irgendwann aber fehlt die Kommunikation mit der Nachbarin, und die Reparaturmechanismen des Systems funktionierten nicht mehr richtig. Die Zelle ist isoliert, sie kann sich nur wieder und wieder teilen, um das Gewebe, von dem sie glaubt, es sei verloren gegangen (etwa bei Verletzungen an der Haut durch Sonnenbrand), neu aufzufüllen. Krebs entsteht letztlich durch Kommunikationsverlust.

Und obwohl jeder dritte Mensch weltweit im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt, ist er zellbiologisch extrem unwahrscheinlich. Die viel zu früh verstorbene Tumorbiologin Christa Cerni erklärte das in ihren Vorlesungen so: "Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch besteht im Durchschnitt aus 3x100.000.000.000.000 Zellen. Dazu kommt, dass täglich von diesem 'Zellberg Mensch' 100.000.000.000 Zellen, das entspricht circa 100 Gramm, absterben und in den betroffenen Geweben wie Haut, Darmoberfläche oder auch Blut nachproduziert werden. Das Knochenmark produziert pro Minute 150 Millionen Zellen, somit produzieren wir im Laufe von 80 Lebensjahren insgesamt etwa zwei bis drei Tonnen Zellen." Angesichts dieser Menge sei es nachgerade ein Wunder, dass nicht mehr passiere, meinte Cerni. (prie, DER STANDARD, Print, 21.11.2005)

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