Lebenslang für Mord an Moshammer

23. November 2005, 22:12
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Teilweise geständiger Iraker Herisch A. habe "heimtückisch zur Ermöglichung eines Raubs getötet"

Zu lebenslanger Haft wegen Mord am prominenten Modemacher Rudolph Moshammer hat am Montag das Landgericht München 1 den teilweise geständigen Iraker Herisch A. verurteilt.

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München - Das Urteil war für den 16. November, den 26. Geburtstag des Angeklagten, vorgesehen, der Termin verzögerte sich aber durch die Plädoyers. Nun musste der irakische Kurde Herisch A. am Montag seine Verurteilung zu lebenslanger Haft hinnehmen.

Das Gericht sah den Hilfskoch des Mords und des Raubs mit Todesfolge überführt. Demnach hat der Angeklagte den homosexuellen Münchner Modemacher Rudolph Moshammer nach Sexspielen in der Nacht zum 14. Jänner dieses Jahres erdrosselt.

Die Kammer bejahte auch eine besondere Schwere der Schuld. Damit kann Herisch A. auch bei guter Führung nicht nach 15 Jahren Haft vorzeitig entlassen werden. Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Anwälte des Angeklagten waren dagegen nur von Totschlag ausgegangen und hatten für eine Haftstrafe im "unteren zweistelligen Bereich" plädiert.

Der Iraker wurde weiterhin des Raubs mit Todesfolge schuldig gesprochen. Er habe "heimtückisch zur Ermöglichung eines Raubs getötet", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl in der Urteilsbegründung.

"Nicht glaubwürdig"

Die Schilderungen von A. seien widersprüchlich gewesen. "Der Angeklagte ist nicht glaubwürdig", sagte Götzl. Er habe Gewinnstreben um jeden Preis offenbart; "selbst um den Preis eines Menschenlebens".

Herisch A. reagierte schockiert auf das Urteil und verfolgte die Verkündung weinend. Im Verlauf des Prozesses hatte er sich mehrmals für die Tat entschuldigt und gestanden, Moshammer getötet zu haben. Der 64-Jährige und er hätten sich über die Bezahlung sexueller Dienste gestritten und sich gegenseitig mit einem Verlängerungskabel geschlagen. Dann habe er Moshammer das Kabel um den Hals geschlungen und zugezogen, gab der Angeklagte an.

Staatsanwalt Martin Kronester hatte diese Tatversion bezweifelt. Der Angriff sei von hinten gekommen, also sei das Opfer "absolut wehrlos" gewesen. A. habe Moshammer "einen Todeskampf von mindestens fünf Minuten" bereitet.

Die Verteidigung hatte argumentiert, Moshammer sei nicht arg- und wehrlos gewesen, weil er Herisch A. beim Durchwühlen von Schubladen ertappt habe. Die Tat sei im Streit geschehen.

Der Prozess wurde von der deutschen Presse mit Aufmerksamkeit verfolgt. Dennoch stellten Medien fest, dass sich das öffentliche Interesse an der zu Lebzeiten schillernden Figur Rudolph Moshammer, in der Münchner Schickeria "Mosi" genannt, mindert.

In seiner Boutique in der Münchner Innenstadt werden inzwischen Schweizer Uhren verkauft. Der Chauffeur Andreas Kaplan, der das Verbrechen entdeckte und laut Moshammers Testament mit dem "Sorgerecht" für dessen Schoßhündchen "Daisy" betraut wurde, hat nun ein Buch herausgebracht. Titel: "Mosi, Daisy und ich". (dpa, AP, kps, DER STANDARD - Printausgabe, 22. November 2005)

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