Umfrage: Gusenbauer schließt in Kanzlerfrage auf

23. November 2005, 15:00
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SPÖ-Chef verringert Abstand zu Schüssel

Schwache Werte für die Kanzlerpartei und ihren Chef, während SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer so nah wie noch nie an Wolfgang Schüssel herangerückt ist: Dieses Bild ergibt die jüngste market-Umfrage für den STANDARD.

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Linz - Könnte man in Österreich den Bundeskanzler direkt wählen, so wäre der Abstand zwischen Amtsinhaber Wolfgang Schüssel und Herausforderer Alfred Gusenbauer bereits auf acht Prozentpunkte geschrumpft. Dies zwar auf niedrigem Niveau im Bereich zwischen 20 und 30 Prozent, aber doch ein Indiz dafür, dass die SPÖ nicht nur in den regelmäßigen Hochrechnungen stark ist, sondern auch mit ihrem personellen Angebot besser beurteilt wird als noch im Frühjahr.

Außer in der Zeit unmittelbar vor und nach der Nationalratswahl vor drei Jahren hatte Alfred Gusenbauer stets mit Grünen-Chef Alexander Van der Bellen um den zweiten Platz ringen müssen - "jetzt wird er stärker als der eigentliche Herausforderer wahrgenommen, was mit den auf ihn zugeschnittenen Plakatkampagnen, aber auch mit den Wahlerfolgen der Landesparteien, die Gusenbauer immer als seine eigenen dargestellt hat, zusammenhängen könnte", mutmaßt Werner Beutelmeyer, Chef des Linzer market-Instituts.

Die Detailauswertung seiner Daten zeigt, dass der SPÖ-Chef in städtischen Bevölkerungsgruppen, bei Senioren und bei Männern ähnlich gute oder bessere Werte erzielt als Schüssel. In der höchsten Bildungsschicht ist er aber hinter Schüssel und Van der Bellen nur Dritter. Allerdings ist der Rückhalt in der eigenen Partei für Schüssel besser als für Gusenbauer oder gar Van der Bellen, dem nur jeder zweite Grüne die Kanzlerschaft wünscht.

Weiteres Signal der jüngsten Umfrage: Nachdem Heinz-Christian Strache sich in Wien besser geschlagen hat als erwartet, wird er auch bundespolitisch ernst genommen: "Seine Fans sind relativ jung, viele davon in Wien verwurzelt", erklärt Beutelmeyer. Dass Strache bereits öfter als möglicher Kanzler genannt wird als Jörg Haider, sei statistisch weniger signifikant - wohl aber, dass er im Unterschied zum Frühjahr überhaupt auf fünf Prozent der Nennungen kommt.

Die FPÖ ist demnach möglicherweise weiter im Spiel, wenn in einem Jahr gewählt wird. Das BZÖ und sein Spitzenmann Jörg Haider allerdings sind fast weg: In den Hochrechnungen der letzten Wochen ist das BZÖ beständig hinter der FPÖ gelandet.

market-Studienleiter David Pfarrhofer, der für den ORF eine breit angelegte Untersuchung über das BZÖ gemacht hat: "Nur ein Zehntel der Bevölkerung traut aus heutiger Sicht dem BZÖ einen Einzug in den Nationalrat zu, die Mehrheit geht von einem Scheitern des BZÖ auch auf Bundesebene aus. Auch die ÖVP-Präferenten rechnen damit, dass der Koalitionspartner nach den Wahlen nicht mehr zur Verfügung steht." (Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2005)

  • Infografik: Bundeskanzlerdirektwahl und Nationalratswahl

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