Entlassener Ratiopharm-CEO Albrecht attackiert Aufsichtsrats-Chef

29. November 2005, 12:50
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Tiroler Manager spricht von "Versuch, meinen Ruf zu ruinieren" - Behält sich Schadenersatzklage vor

Wien - Der gefeuerte Ratiopharm-Vorstandsvorsitzende Claudio Albrecht weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und kritisiert Aufsichtsrats-Vorsitzenden Philipp Daniel Merckle. "Ich hatte den Eindruck, er will meinen Job übernehmen und nutzte jetzt die erstbeste Gelegenheit, um mich los zu werden", sagt Albrecht in der "Tiroler Tageszeitung" (Montag-Ausgabe) zu den Hintergründen seiner Entlassung. Der gebürtige Tiroler spricht von einem "Versuch, meinen Ruf zu ruinieren" und behält sich eine Schadenersatzklage vor.

Einen Bericht im "Stern", wonach Ratiopharm Ärzten für das Verschreiben von Ratiopharm-Medikamenten systematisch Geld bezahlt habe, bezeichnet Albrecht als "haltlos". Die Informanten des Nachrichtenmagazins hätten Ratiopharm mit einer Veröffentlichung in Buch-Form gedroht und der Firma angeboten, die Rechte an dem Buch zu kaufen, um eine Veröffentlichung zu verhindern. Rationpharm habe das abgelehnt.

"Ungute Geschichte"

"Auch wenn er öffentlich das Gegenteil behauptet, schaut es so aus, als nütze Philipp Daniel Merckle diese ungute Geschichte, um sich von mir zu trennen", glaubt Albrecht. Dabei habe er selbst Merckle zwei Mal angeboten, "für ihn den Sessel zu räumen". Das habe der Aufsichtsratschef des Familienunternehmens aber abgelehnt. Albrecht: "Hätte Ratiopharm-Aufsichtsratschef Philipp Daniel Merckle meinen Vertrag wie vereinbart professionell aufgelöst, wäre alles ganz normal gelaufen. Seine öffentlichen Angriffe auf meinen Führungsstil finde ich geschmacklos."

Kritik an seinem angeblich zu autoritären Führungsstil weist Albrecht zurück: "Die Generika-Sparte ist knallhart. Wir kopieren Medikamente 1:1. Wir können am Markt nur über Preis und Geschwindigkeit erfolgreich sein. Ohne aggressive Verkaufsstrategie, kann Ratiopharm nicht erfolgreich sein. Dass bei einer solchen Vorgangsweise nicht immer alle 5500 Mitarbeiter glücklich sind, ist wohl nachvollziehbar."

Albrecht hofft nun, dass er am Mittwoch "ohne Schmutzwäsche zu waschen" die Verträge mit Ratiopharm auflösen kann. "Es gibt seit dem Wochenende einige Angebote. Auch eine Rückkehr nach Tirol schließe ich nicht aus", so Albrecht. (APA)

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