Bombenanschläge im Baskenland zu Franco-Todestag

2. Dezember 2005, 17:11
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Keine Verletzten - Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des Dikators

Madrid - Das spanische Baskenland ist am Wochenende zum 30. Todestag des faschistischen Diktators Francisco Franco von mehreren Bombenexplosionen erschüttert worden. Nach Polizeiangaben detonierten nahe und in der Regionalhauptstadt Vitoria sowohl am Samstag als auch am Sonntag kleinere Sprengsätze, wobei niemand verletzt wurde. Die Behörden machten zumindest für die erste Explosion die baskische Untergrundorganisation ETA verantwortlich, die in der Region schon wiederholt Anschläge verübte und seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Baskenstaat kämpft.

Franco hatte die Basken wie auch andere Volksgruppen während seiner jahrzehntelangen Herrschaft unterdrückt und das Land bis 1975 von Madrid aus mit eiserner Hand geführt. Schon am Vorabend des Todestages kam es am Samstag in der spanischen Hauptstadt zu Demonstrationen von Anhängern und Gegnern des verstorbenen Dikators.

Bomben in Autohaus detoniert

Während der Anschlag vom Samstag in einer Fahrradfabrik verübt worden war, detonierten die zwei Bomben vom Sonntag in einem Autohaus. Alle drei Sprengsätze seien selbst gefertigte Konstruktionen gewesen, hieß es weiter. Allein in diesem Jahr hat die ETA in ihrem bewaffneten Kampf rund 20 kleinere Attentate verübt. Seit Mai 2003 kam dabei allerdings niemand mehr ums Leben. In den vergangenen Jahrzehnten wurden bei ETA-Anschlägen insgesamt rund 850 Menschen getötet. Die sozialistische Regierung unter Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat der ETA Gespräche angeboten - jedoch nur unter der Bedingung, dass die Gruppe ihre Waffen niederlegt.

Faschisten demonstrierten in Madrid

Die Demonstrationen in Madrid zeigten, wie tief gespalten das Land noch immer ist, wenn es um die Frage der nationalen Einheit geht. Skinheads nutzen am Samstagmittag die Gelegenheit, nicht nur an Franco zu erinnern, sondern auch gegen den Entwurf eines umstrittenen Autonomie-Statuts für die Region Katalonien mobil zu machen. Die rechtsnationale Falange-Gruppe, die den Marsch organisiert hatte, erklärte, mit dem Statut zersplittere Spanien nur. "Die politischen Parteien haben ein Monster geschaffen, das unter Franco ausgerottet worden war", stand auf einem Flugblatt. Das spanische Parlament in Madrid muss noch im Detail über den von Katalonien vorgelegten Autonomie-Plan beraten, wobei wahrscheinlich massive Änderungen vorgenommen werden. Der Plan sieht vor, dass die wirtschaftlich prosperierende Region als eine "Nation innerhalb der spanischen Nation" unter anderem eigene Steuern erheben kann.

Später zogen tausende Faschisten etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt zu dem Franco-Mausoleum ins "Tal der Gefallenen", wo in einer Messe des am 20. November 1975 verstorbenen Diktators sowie der Opfer des spanischen Bürgerkrieges von 1936 bis 1939 gedacht wurde. Unter den Teilnehmern war auch Francos Tochter Carmen sowie der Ex-Oberst Antonio Tejero, dessen Putschversuch 1981 gescheitert war. Viele rechte Demonstranten vor der Kirche hatten sich in die spanische Flagge gehüllt und riefen Parolen wie "Nationale Einheit!".

"Sie werden nicht durchkommen!"

In der Hauptstadt versammelten sich später rund 2000 linke Demonstranten und riefen "Sie werden nicht durchkommen!" - in Anspielung auf die Parole der im Bürgerkrieg geschlagenen Republikaner. "Was als Übergang zur Demokratie bezeichnet wurde, ist in Spanien kaum umgesetzt worden", sagte eine 53-jährige Frau, die an dem Anti-Faschismus-Marsch teilnahm. "Unter der Oberfläche gab es immer Faschismus und dank Aznar kam er auch wieder stärker zum Vorschein", fügte sie mit Blick auf den früheren konservativen Regierungschef Jose Maria Aznar hinzu. (APA/Reuters)

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    Skinheads nutzen am Samstagmittag die Gelegenheit, nicht nur an Franco zu erinnern, sondern auch gegen den Entwurf eines umstrittenen Autonomie-Statuts für die Region Katalonien mobil zu machen.

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