UNO-Ermittler Mehlis erwägt Verhöre zum Hariri-Mord in Köln

24. November 2005, 14:27
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Neuer syrischer Zeuge aufgetaucht

Damaskus/Kairo - Auf der Suche nach den Hintermännern des Mordes am früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri will der deutsche UNO-Chefermittler, Detlev Mehlis, syrische Geheimdienstoffiziere möglicherweise in Köln verhören. Das berichteten arabische Zeitungen am Sonntag. Über den Ort für die Befragung der sechs Syrer, von denen einer mit Präsident Bashar Assad verwandt ist, sei aber noch nicht abschließend entschieden. Mehlis und ein Berater des syrischen Außenministeriums hatten sich am vergangenen Freitag in Barcelona getroffen, um darüber zu sprechen.

Mehlis und sein Team sollen herausfinden, wer hinter dem Sprengstoffattentat auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri steckt. Bei dem Anschlag waren am 14. Februar in Beirut insgesamt 23 Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Syrer stehen im Verdacht, an dem Mordkomplott beteiligt gewesen zu sein.

Erhöhte Bewachung

Die "Bild"-Zeitung berichtete am Samstag, die Bewachung der deutschen Botschaften im arabischen Raum sei wegen Mehlis' Ermittlungen erhöht worden. An der Botschaft in Kairo hat sich jedoch innerhalb der vergangenen zwei Monate nichts an den Sicherheitsvorkehrungen geändert. Auch ist in Syrien keine anti-deutsche Stimmung spürbar und selbst Regierungsvertreter betonen, dass sie die Untersuchung des Berliner Oberstaatsanwalts nicht mit der deutschen Regierung in Verbindung bringen.

Die Zeitung "Al-Hayat" schrieb am Sonntag, inzwischen sei ein neuer syrischer Zeuge aufgetaucht. Dieser habe beschrieben, wo die Täter die 1000 Kilogramm Sprengstoff beschafft hatten, die auf der Uferstraße in Beirut neben Hariris Konvoi explodiert waren.

Ein von Präsident Assad eingesetztes Komitee zur Aufklärung des Hariri-Mordes bat unterdessen die türkische Justiz um Amtshilfe. Diese solle dem Komitee die Aussagen des Syrers Luai al-Saka übergeben, der in der Türkei angeblich ausgesagt haben soll, man habe ihm Geld für eine Falschaussage angeboten, die Assads Schwager Assef Shawkat im Fall Hariri belaste. Al-Saka sitze in der Türkei im Gefängnis, weil er angeblich Anschläge auf israelische Touristen dort geplant haben solle. In Damaskus demonstrierten am Samstag knapp 5.000 Studenten, um ihre Solidarität mit Präsident Assad zu bekunden. (APA/dpa)

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