Das Gotteshaus, das Gewitter anzieht

24. November 2005, 16:55
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Romantische Runde zur Wetterkreuzkirche am Zusammenfluss von Traisen und Donau

Die am oberen Rand der Weingärten bei Hollenburg an der Donau stehende Wetterkreuzkirche zieht offensichtlich die Gewitter an, denn in der Chronik des Gotteshauses sind drei Brände verzeichnet, die durch Blitzschlag entstanden. Esoteriker verwundert dies überhaupt nicht, denn sie stellten dort eine besonders starke Erdstrahlung fest, welche das Unheil geradezu anlockt. Andere Experten wieder machen die exponierte Lage der Kirche für die vielen von Blitzen verursachten Schäden verantwortlich.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fungierte der Turm als Beobachtungsstation der Wehrmacht und zog das Feuer der sowjetischen Artillerie auf sich, was nicht weniger Schäden zur Folge hatte als die Einwirkungen der Naturgewalten.

Kultplatz mit Fernsicht

Die Wetterkreuzkirche bildet den Abschluss und Höhepunkt einer ausgesprochen romantischen und abwechslungsreichen Runde über die Erhebungen am Zusammenfluss von Traisen und Donau. Von ihr schweift der Blick ungehindert über das ganze Tullnerfeld, in dem der aufgestaute Strom sich wie ein riesiger See ausnimmt, und man kann bis ins Wald- und Weinviertel sehen. Bereits die Illyrer errichteten dort vor rund dreitausend Jahren einen Wachtposten, offensichtlich steht die Kirche auch an der Stelle eines uralten Kultplatzes. Von vielen anderen am Wege liegenden Aussichtsplätzen hat man eine schöne Fernsicht, vor allem in das untere Traisental und zum berühmten Stift Göttweig.

Man wandert durch ein sehr fruchtbares Land und findet daher auch genug Möglichkeiten vor, einen guten Tropfen zu verkosten. - Die Runde weist keinerlei Schwierigkeiten auf, sie lässt sich aber nur schwer verkürzen.

Die Route

Westlich des Ortszentrums von Hollenburg an der Donau beginnt die rote Markierung, welche zum Pestkreuz und weiter nach Krustetten führt, das man nach einer Stunde erreicht. In einer Rechtskurve der Straße nach Nußdorf geht es auf der grünen Markierung weiter. Über den Spatzenberg hinweg gelangt man zu einem rot markierten Weg, dem man nach Nußdorf folgt. Ab Krustetten 1¼ Stunden.

Nun geht es ein Stück zurück, dann wendet man sich nach Norden (Wegweiser "Wagram") und wandert bis zu einem markanten Kreuz, wo man nach links auf eine rot-grüne Markierung wechselt, die zur Wetterkreuzkirche führt. Gehzeit ab Nußdorf 1 Stunde. Der halbstündige Abstieg zum Ausgangspunkt Hollenburg erfolgt auf einem gelb markierten Weg.
(Bernd Orfer/Der Standard, Printausgabe 19./20.2005)

Gesamtgehzeit 3¾ Stunden
Höhenunterschied rund 300 m
Gasthäuser und Heurige in Krustetten und Nußdorf
Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000
Blatt 38
(Krems an der Donau)
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    grafik: der standard
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