Hariri-Mord: Syrer angeblich zu Falschaussage aufgefordert

24. November 2005, 14:27
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Solidaritätskundgebung für Assad in Damaskus

Damaskus/Kairo - Ein vom syrischen Präsidenten Bashar Assad eingesetztes Komitee zur Aufklärung des Mordes an dem libanesischen Spitzenpolitiker Rafik Hariri hat die türkische Justiz um Amtshilfe gebeten. Diese soll nach Angaben eines Sprechers vom Samstag dem Komitee die Aussagen des inhaftierten Syrers Louai Sakka übergeben, der in der Türkei angeblich ausgesagt haben soll, man habe ihm Geld für eine Falschaussage angeboten, die Assads Schwager General Assef Shawkat im Fall Hariri belaste.

Sakka war unter falscher Identität in die Türkei eingereist und unter dem Vorwurf verhaftet worden, Sprengstoffanschläge auf Schiffe mit israelischen Touristen geplant zu haben, die an der türkischen Küste vor Anker gehen. Bei einem Verhör habe der Syrer erklärt, vier Männer, die englisch und türkisch gesprochen hätten, seien im Gefängnis an ihn herangetreten. Die Männer hätten ihm 10.000 Dollar (8493 Euro) und Hilfe bei der Flucht aus dem Gefängnis angeboten, falls er aussage, Shawkat, der Chef des syrischen Militärgeheimdienstes, habe ihm aufgetragen, im Irak einen Selbstmordattentäter für das Attentat auf den ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Hariri zu suchen.

Schlussbericht wird am 15. Dezember präsentiert

Der von dem deutschen Chefermittler Detlev Mehlis vorgelegte UNO-Untersuchungsbericht zum Mordanschlag auf den früheren libanesischen Regierungschef belastet auch Shawkat. Der 55-Jährige ist mit der einzigen Schwester Assads verheiratet. An der Glaubwürdigkeit des Zeugen, auf den sich der Mehlis-Bericht stützt, bestehen allerdings erhebliche Zweifel. Mehlis soll seinen Schlussbericht am 15. Dezember präsentieren. In der syrischen Hauptstadt Damaskus gingen am Samstag knapp 5000 Studenten auf die Straße, um ihre Solidarität mit Assad zu bekunden. Sie behaupteten, die bisherigen Ermittlungsergebnisse des UNO-Teams seien falsch.

Der Anschlag auf Hariri im Februar hatte wochenlange Massenproteste im Libanon ausgelöst und eine politische Dynamik in Gang gesetzt, die zum Abzug der syrischen Truppen aus dem Nachbarland nach 29 Jahren und zu freien Wahlen führte. (APA)

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