Das lässt sich hören

19. November 2005, 18:31
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Informationen hören, statt lesen: Ein Podcast ist technisch gesehen nichts anderes als eine MP3-Audiodatei

Mit beruflicher Nutzung von Blogs - die relativ formlosen Online-Journale - hat sich diese Kolumne schon früher beschäftigt (Wir Blogger, 2. April 2005); dem Blog verwandt sind Podcasts, quasi akustischer Cousin des Blogs. Zwar sind die Hürden zur Produktion von Podcasts höher als bei einem Textblog, aber nicht unüberwindlich.

Hören statt lesen

Der anhaltende Boom von Audiobüchern zeigt, dass viele Menschen die Möglichkeit schätzen, Information zu hören, statt zu lesen, egal ob beim Joggen, Autofahren, oder wenn wir keine Möglichkeit oder auch keine Lust zum Lesen haben. So wie man Newsletter oder Blogs für Kunden oder Mitarbeiter erstellen kann, lassen sich viele Informationen in Audiobeiträgen verpacken. Von Finanzen, Wirtschaft und Wissenserwerb bis zum "Friseurpod" (einem Diskussionsforum von Frisören) reicht beim Portal podster.de die Liste.

Vor allem der Bereich von Aus- und Weiterbildung beginnt zunehmend auf diese Möglichkeit anzusprechen - trotz aller Bücher sind Vorträge weiterhin ein zentrales Medium; u. a. stellt Stanford University seit Kurzem ihren Studenten Vorlesungen als Podcasts zur Verfügung.

Der iPod (Apples MP3-Player) hat bei der Namensgebung zwar Pate gestanden, ist aber nicht nötig zum Anhören: Ein Podcast ist technisch gesehen nichts anderes als eine MP3-Audiodatei, die man am PC oder auf einem MP3-Player abspielen kann.

Man braucht kein Tonstudio, um in die Podcastwelt einzusteigen: Aufnahmen sind mit einem Mikro (oder einem Kopfhörerset mit Mikro) und einfacher Recording-Software am PC möglich; oder man bedient sich eines digitalen Diktiergeräts oder eines Minidisk-Rekorders für Aufnahmen, die dann am PC bearbeitet werden (einen Überblick über Ausstattung und Software gibt unter anderem der Website www.ipod-fun.de).

Noch zwei Anmerkungen zu Blogs...

... im beruflichen Kontext, die sich auch auf Podcasts übertragen lassen. Das eine ist die Beobachtung der Financial Times über bloggende Unternehmen: Am glaubwürdigsten erscheinen Unternehmens-Blogs dann, wenn sie von Mitarbeitern kommen, denen die Freiheit zu selbstkritischer Distanz zugestanden wird. Das ist nicht gleichbedeutend mit Illoyalität gegenüber der eigenen Firma: Bei IBM beispielsweise haben sich Blogger selbst eine Richtlinie gegeben, zu deren Einhaltung sie sich freiwillig verpflichten. IBM wiederum ermutigt zum Bloggen und gleichzeitig zur Offenlegung, dass der/die Betreffende ein IBM-Mitarbeiter ist. Am unglaubwürdigsten erscheinen hingegen offenbar bloggende Firmenchefs (wahrscheinlich in Wirklichkeit die bloggende PR-Abteilung).

Das andere eine Warnung, die vom "Chronicle of Higher Education" kommt (www.chronicle.com, ein Karrieresite für den Bildungssektor in den USA): Blogging kann Ihrer Bewerbung schaden - wenn Ihr Blog ein anderes Bild von Ihnen gibt, als sie in ihrer Bewerbung vermitteln wollen. Wer heute Personal auswählt, wird auch immer öfter eine schnelle Online-Recherche seiner Kandidaten vornehmen; wenn Sie bloggen, sollten Sie sich dieser Konsequenz bewusst sein.
(Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe 19./20.2005)

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