Architekturmuseum hinterfragt Hundertwassers Rolle als Architekt

25. November 2005, 14:03
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Ausstellung überlässt das Urteil dem Besucher

Frankfurt/Main - Vergoldete Zwiebeltürme, geschwungene Linien und bunt lackierte Kacheln prägen die Bauten von Friedensreich Hundertwasser. Häuserfassaden mit Pflanzen und märchenhafte Formen haben ihm das Image eines Fantasten eingebracht. Welche Rolle der vor fünf Jahren gestorbene Künstler als Architekt gespielt hat, will eine am Freitagabend eröffnete Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt untersuchen. "Ein Sonntagsarchitekt. Gebaute Träume und Sehnsüchte" heißt die Schau, die bis 5. Februar zu sehen ist.

Kaum ein anderer Künstler war zu Lebzeiten so beliebt wie Hundertwasser - und wurde von Fachleuten zugleich so harsch kritisiert. Die Bilder, Teppiche, Gebäude und Landschaften des 1928 in Wien geborenen Künstlers sind nett anzusehen. Sie leben von ihrer Buntheit und Unmittelbarkeit, wirken einfach und niedlich zugleich. Die Kunst- und Architektenszene hält dies oft für Kitsch.

Behübscher

Gezeigt werden im DAM vor allem Modelle von Umbauten wie dem Fernwärmewerk Spittelau in Wien, der Autobahnraststätte Fischau oder des Bahnhofs Uelzen. Hier hatte Hundertwasser nicht in die Bausubstanz eingegriffen, sondern lediglich die Fassaden verändert. Solche Arbeiten haben ihm den Beinamen des "Behübschers" eingebracht.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Zitatwände und Videoprojektionen. Stellung bezieht die Ausstellung damit jedoch nicht. Sie stellt gegenüber und überlässt dem Besucher das Urteil, ob Hundertwasser nun das fantastische Genie oder der komplett unbegabte Architekt gewesen ist.

Kindliche Naivität

"Hier ist ein Mensch, der sich seine kindliche Naivität bewahrt hat und dem es gelungen ist, sie für seine Aufgaben fruchtbar zu machen", urteilt Wieland Schmied. Von dem ehemaligen Direktor der Kestner Gesellschaft Hannover, der zu den profundesten Hundertwasser- Kennern zählt, stammt der Titel zur Ausstellung.

Der Frankfurter Galerist und Wegbegleiter Hundertwassers, Peter Femfert, sagte bei der Eröffnung der Schau, dass eine solche Ausstellung "längst überfällig" sei. Er würdigte den Künstler, der den rechten Winkel stets ablehnte, als einen Menschen, der seine "Fantasien tatsächlich gelebt" habe. Und der Direktor der Deichtorhallen in Hamburg, Robert Fleck, sagte, Hundertwassers Bauten beeindruckten "wegen des naiven Zugangs".

Dagegen hat der namhafte Architekt Rob Krier einmal den Wiener als Dilettanten bezeichnet, der "so nett und so heimelig" gestalte. "Es ist Wald- und Wiesenqualität", was Hundertwasser präsentiere, tobte Krier einst. Und damit lehnte er sich im Vergleich zu vielen seiner Kollegen noch nicht einmal weit aus dem Fenster.

Genau diese Gegensätzlichkeit in der Bewertung von Hundertwasser wolle man darstellen, sagte eine Sprecherin des Museums. (APA/dpa)

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