Von wegen Opas Auto

20. Dezember 2005, 10:13
8 Postings

Hut und Hosenträger sind nicht mehr. Das Image von Audi heute ist jünger und ungleich sportlicher - auch seine Fahrer

Mehr "Selbstbewusstsein und Zukunftsorientierung" sollte - den Vorstellungen des damaligen Vorstandsvorsitzenden Herbert Demel, heute Magna, gemäß - in den damals ein wenig eingestaubten bayrischen Konzern einziehen, erinnert sich Roswitha Königswieser, geschäftsführende Gesellschafterin der Beratungsexperten von Königswieser & Network. Jürgen Gebhardt, heute ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter von Königswieser & Network, damals noch Audi-Produktionschef: "Die Initialzündung war eine Vision, die wir zuerst im Vorstand, dann mit den Führungskräften und allen Mitarbeitern entwickelt haben."

Der Entschluss, die Marke höher zu positionieren, so Gebhardt, sei ein wilder gewesen. Um den Image-technischen Gleichklang der Marke Audi mit dem Hut tragenden Pensionisten abzuschütteln, galt es vorab, als Unternehmen selbst jünger, attraktiver und sportlicher zu werden.

Von Bayern in die Welt

"Ich erinnere mich, dass über Monate hinweg der Mut noch nicht vorhanden war, sich mental vom Konzern zu lösen und die eigenen Vorstellungen zu generieren." Das Unternehmen habe sich gewissermaßen selber im Weg gestanden, sagt Königswieser. Herbert Demel aber stand den Fähigkeiten seiner "Audianer" zuversichtlich gegenüber und stark hinter dem Entwicklungsprozess. In zahlreichen Dialogen, Projekt- und Ideengruppen wurden stetig Verbesserungen vorgenommen, eine kontinuierliche Strategie und viel Beziehungsarbeit zum Topmanagement geleistet, so Königswieser.

Gebhardt: "Diese Aufbruchstimmung ermöglichte dieses Produktfeuerwerk erst." In einem Jahr wurden der A 8 und der A 4 entwickelt. Die Corporate Identity (CI) war in zwei Jahren erneuert.

Aus dieser Erfahrung ergeben sich laut Roswitha Königswieser klare Faktoren für die erfolgreiche Höherpositionierung einer Marke:

  • Das Unternehmen lebt intern, was es nach außen verkörpern will. Man kann weder Attraktivität noch Innovation ausstrahlen, wenn man innen verstaubt ist.

  • Es ist günstig, ein vertrauenswürdiges Gesicht (z. B. Vorstandschef) mit der Botschaft einer Marke verbinden zu können.

  • Es gibt eine gemeinsam getragene Vision in einem starken Vorstandsteam und im Unternehmen, die Orientierung und Sinn gibt, Energien freisetzt.

  • Isolierte Maßnahmen verpuffen. Vision, Strategie, Strukturen, Innovationsprozesse, CI und Vertriebsmaßnahmen sind - in Symbolik und Effizienz - glaubwürdig aufeinander abzustimmen.

  • Die Höherpositionierung einer Marke ist ein strategischer, professioneller, auch emotionaler nachhaltiger Prozess. Es soll nicht als kurzes Imponiergehabe abgehandelt werden.
    (haa/Der Standard, Printausgabe 19./20.11.2005)
  • Die Erfolgsgeschichte über die Höherpositionierung einer Marke, exklusiv im KarrierenStandard.

    Link

    www.koenigs wieser.net

    Zum Thema

    Die hohe Kunst des Markenaufbaus
    • Mit Schirm, Charme und ohne Hut: Die Marke Audi trägt heute das Image des modernen, attraktiven und sportlich Jungen. Das Ergebnis einer erfolgreich gestalteten Höherpositionierung einer Marke.
      foto: andreas stockinger

      Mit Schirm, Charme und ohne Hut: Die Marke Audi trägt heute das Image des modernen, attraktiven und sportlich Jungen. Das Ergebnis einer erfolgreich gestalteten Höherpositionierung einer Marke.

    Share if you care.