Affäre um Enttarnung von US-Agentin zieht immer weitere Kreise

27. November 2005, 10:36
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Weitere Anklagen nicht ausgeschlossen

Washington - Die Affäre in der US-Regierung um die Enttarnung einer CIA-Agentin zieht offenbar weitere Kreise. Staatsanwalt Patrick Fitzgerald hat am Freitag, drei Wochen nach der Anklage des hohen Regierungsbeamten Lewis Libby, die Einberufung einer neuen Anklagekammer angekündigt. Das ist nur bei Vorlage neuer belastender Beweise möglich. Beobachter schließen nach Medienberichten von Samstag weitere Anklagen nicht aus.

Libby, langjähriger Stabschef bei Vizepräsident Richard Cheney, soll den Namen der Agentin laut Anklage als erster an Reporter weitergegeben haben. Der Staatsanwalt untersucht, ob die Frau als Rache gegen ihren Ehemann, einen Bush-Kritiker, enttarnt wurde. Wie sich diese Woche herausstellte, hatte ein anderes hochrangiges Regierungsmitglied bereits vor Libby mit dem Star-Reporter der "Washington Post", Bob Woodward, über die Frau geredet. Woodward sagte Anfang der Woche über seine Unterhaltungen aus. Er hat die Identität seines Gesprächspartners aber nicht öffentlich gemacht.

Die zweite Person aus dem engsten Führungskreis um Präsident George W. Bush, auf die sich Fitzgerald bei seinen Ermittlungen konzentriert hatte, war Bush-Berater Karl Rove. Dessen Anwälte äußerten aber die Überzeugung, dass ihr Klient nicht im Zentrum der neuen Ermittlungen steht.

Anklage wegen Falschaussage

Libby war nicht wegen Enttarnung der Agentin Valerie Plame angeklagt worden, sondern wegen Falschaussage. Er log nach Überzeugung von Fitzgerald, als er sagte, er habe den Namen der Agentin von Reportern erfahren. In Wirklichkeit kursierte der Name offenbar zuvor schon in höchsten Regierungszirkeln. (APA)

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