Mega-Fusion auf US-Telefonmarkt perfekt

29. November 2005, 12:52
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SBC Communications übernimmt traditions­reichen Ex-Monopolisten AT&T - Fusion soll Synergien in Höhe von 15 Milliarden Dollar bringen

New York - Auf dem US-Telefonmarkt ist die 16 Milliarden Dollar (13,6 Milliarden Euro) schwere Übernahme des traditionsreichen Ex-Monopolisten AT&T durch SBC Communications perfekt. Die Unternehmen unterzeichneten am Freitag (Ortszeit) nach SBC-Angaben die Verträge. Damit schluckt SBC seine ehemalige Mutter AT&T, von der sie 1984 als eine der so genannten Baby Bells abgespalten worden war.

Der neue Telefonriese soll den traditionreichen Namen AT&T behalten. Mit einem Umsatz von mehr als 70 Milliarden Dollar wird der neue Konzern allerdings nur kurzzeitig die Nummer eins auf dem Telekommunikationsmarkt in den USA sein, da in Kürze auch die Übernahme von MCI durch Verizon abgeschlossen werden soll.

Nach der Übernahme wird das neue Unternehmen vom 1. Dezember an unter dem Kürzel "T" an der New Yorker Börse gehandelt. Bis dahin wird der Konzern als "SBC" geführt. Ein neues Logo soll am Montag vorgestellt werden. Die AT&T-Altaktionären erhalten für ihre Anteile jeweils 0,77942 SBC-Aktien. SBC erwartet, dass der Zusammenschluss abzüglich der Fusionskosten Synergien in Höhe von 15 Milliarden Dollar bringen wird.

Von der Festnetz- über die Handysparte bis zu kabellosem Internet

Durch den Zusammenschluss werden die nationalen und globalen Netzwerke von AT&T mit der starken Stellung von SBC im lokalen Bereich, dem Mobilfunk und bei Breitband-Anwendungen verbunden. Der neue Gigant auf dem US-Telekommunikationsmarkt bietet damit nach eigenen Angaben die ganze Produktpalette von der Festnetz- über die Handysparte bis hin zu kabellosem Internet an. Wie Verizon arbeitet SBC zudem an internetbasiertem interaktivem Fernsehen. SBC verwaltet rund 52 Millionen Telefonzugänge und mehr als fünf Millionen DSL-Anschlüsse. Zu SBC gehört auch der USA-weit tätige Mobilfunkanbieter Cingular Wireless mit fast 50 Millionen Kunden.

Analysten lobten die Übernahme als wichtiges Signal für die Branche. Sie erwarten künftig einen scharfen Wettbewerb der Telekommunikationsunternehmen mit den Kabelfernsehgesellschaften. Verbraucherschützer dagegen befürchten Einschränkungen des Wettbewerbs.

AT&T war als American Telephone and Telegraph aus der 1876 gegründeten Bell Telephone Company hervorgegangen und ein Jahrhundert lang der einzige Anbieter von Telefondiensten in den USA. Mit der Liberalisierung des Marktes geriet die Position des Unternehmens zunehmend ins Wanken. Im vergangenen Jahr musste AT&T tausende Stellen streichen und einen Verlust von 6,1 Milliarden Dollar verbuchen. Schon vor einigen Jahren hatte sich der Konzern von seiner Mobilfunksparte getrennt, die jüngst von Cingular, die von SBC und Bellsouth gemeinsam betrieben wird, aufgekauft wurde. (APA)

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