Schwere Kontroverse zwischen Haider und "Kleiner Zeitung"

25. November 2005, 12:40
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BZÖ-Regierungsmitglieder mobilisieren in vierseitigen Inseraten: Chefredakteur und Polit-Redakteurinnen als "Pinocchio" tituliert - "Kleine Zeitung" weist Vorwürfe zurück

Klagenfurt - Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen der Kärntner Redaktion der "Kleinen Zeitung" und Landeshauptmann Jörg Haider ist eskaliert: Haider und seine BZÖ-Regierungskollegen LHStv. Martin Strutz und LR Gerhard Dörfler mobilisieren jetzt öffentlich gegen das Styria-Blatt. In vierseitigen Inseraten in einer landesweit erscheinenden Illustrierten wird der "Kleinen Zeitung" vorgeworfen, mit Unwahrheiten, Falschinformationen und Unterstellungen zu operieren.

Versuch der Vernichtung Haiders mit allem Mitteln

In ihrer Einschaltung in der Illustrierten, die in allen Kärntner Bezirken mit Regionalausgaben erscheint, werfen Haider, Strutz und Dörfler der "Kleinen Zeitung" vor, mit allen Mitteln zu versuchen, "Landeshauptmann Jörg Haider zu vernichten". Deswegen würde man seit Monaten "gegen Kärnten, seinen Landeshauptmann und die freiheitlichen Regierungsmitglieder anschreiben". Und wörtlich: "Dass es Kärnten so gut geht, passt nur der Kleinen Zeitung nicht."

Und weiter heißt es: "Weit entfernt von journalistischer Objektivität und motiviert durch persönliche Aversionen einiger führender Mitglieder der Redaktion gegen unseren Landeshauptmann operiert man mit groben Unwahrheiten, Unterstellungen und betreibt Falschinformation der Bevölkerung." Gleichzeitig wird die Beschuldung erhoben, dass "in einer internen Krisensitzung" der "Kleinen Zeitung" beschlossen worden sei, "die Gangart gegen Landeshauptmann Jörg Haider massiv zu verschärfen". An die Kärntnerinnen und Kärntner appellieren die BZÖ-Spitzenpolitiker deshalb, "sich vom Feldzug der Kleinen Zeitung gegen uns nicht beirren zu lassen".

"Pinocchio"

Auf den drei weiteren Seiten des Inserates werden die drei Polit-Redakteurinnen und Chefredakteur Reinhold Dottolo anhand von Schlagzeilen der vergangenen Monate als der lügenhafte italienische Romanheld "Pinocchio" dargestellt. Als besonderes Feindbild in den Reihen des BZÖ figuriert die Chefin der innenpolitischen Redaktion, Antonia Gössinger. So wird in dem Inserat auf ihre Schlagzeile "Kärnten sind weitere negative Berichte sicher" mit dem Kommentar "Apokalyptische Prognose der offensichtlichen Haider-Hasserin Antonia Gössinger" reagiert.

Die solcherart Angegriffene betonte am Samstag im Gespräch mit der APA, sie hätte sich nichts vorzuwerfen. Schon gar nicht könne man der Polit-Redaktion ihrer Zeitung Gehässigkeit vorwerfen. Gleichzeitig versicherte Gössinger, dass sich der Stil ihres Blattes ungeachtet der laufenden Kampagne des BZÖ nicht ändern werde.

Das getrübte Verhältnis zwischen Haider und der auflagenstärksten Kärntner Tageszeitung war zuletzt am Nationalfeiertag drastisch zu Tage getreten, als Haider in seiner "Kärnten-Erklärung" im Villacher Congress Center gemeint hatte, dass "die Redaktion der Kleinen Zeitung zu einem Zentrum für seelische Gesundheit gemacht werden sollte". Diese Wortwahl hatte heftige Reaktionen der Redaktion und des Betriebsrates der "Kleinen Zeitung" hervorgerufen.

"Kleine Zeitung" weist Vorwürfe zurück

Mit scharfen Worten hat der Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", Reinhold Dottolo, am Samstag die Vorwürfe des BZÖ gegen seine Zeitung zurückgewiesen. Es handle sich teils um aus dem Zusammenhang gerissene Titel, teils schlicht um Unwahrheiten, sagte Dottolo gegenüber der APA und kündigte an: "Wir werden dem Druck der Politik auch diesmal standhalten und unsere unabhängige Berichterstattung fortsetzen."

"An sich freut es uns ja fast, dass wir unserem Landeshauptmann so viel Geld wert sind, dass er teure Inserate schaltet", meinte der Chefredakteur ironisch. Aber es sei "völliger Unsinn", wenn das BZÖ in den Inseraten behaupte, in der Redaktion sei in einer "Krisensitzung" beschlossen worden, die Gangart gegen das BZÖ und Landeshauptmann Jörg Haider zu verschärfen, sagte Dottolo. "Das verwechselt er wahrscheinlich mit den Krisensitzungen des BZÖ." Die jüngste Aktion füge sich ein in eine "seit Jahren anhaltende Versuchsreihe, uns unter Druck zu setzen", meinte der Chefredakteur.

Zugespitzt hätte sich die Situation seit der Gründung des BZÖ im April dieses Jahres und dem Desaster um die Wörtherseebühne. "Es waren aber nicht wir, die Renato Zanella um teures Geld als Intendanten geholt haben." Es könne auch nicht die "Kleine Zeitung" für den "Wahlerfolg" des BZÖ in Wien verantwortlich gemacht werden, da man in der Bundeshauptstadt gar nicht erscheine.

Er sei auch nicht wirklich überrascht über die jetzige Attacke, zumal erst vor wenigen Wochen ein Ausritt Haiders gegen die Redaktion erfolgt sei, der "allertiefstes Niveau" aufgewiesen hätte. Dottolo spielte dabei auf die Aussage des Landeshauptmannes am Nationalfeiertag in Villach an, wonach die "Kleine"-Redaktion zu einem Zentrum für seelische Gesundheit gemacht werden sollte. Diese Aussage Haiders ist nach Ansicht Dottolos "menschenverachtend", vor allem gegenüber jenen Menschen, die psychiatrische Hilfe benötigen würden. (APA)

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