Geheim-Deal zwischen Deutschland und syrischem Nachrichtendienst

22. November 2005, 19:41
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"Spiegel": Islamisten-Verhör durch deutsche Beamte

Hamburg/Wien - Das deutsche Bundeskanzleramt hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" mit der syrischen Regierung einen "Geheim-Deal" abgeschlossen, um Zugang zu dem deutschen Islamisten Mohammed Haydar Zammar zu erhalten. Bei einem Treffen im Kanzleramt in Berlin versprachen hohe deutsche Regierungsbeamte syrischen Vertretern, die Anklage gegen zwei mutmaßliche syrische Agenten zurückzuziehen, wenn deutsche Ermittler dafür einen der engsten Freunde der Todespiloten vom 11. September 2001 vernehmen dürften.

Anschließend reiste eine Delegation von Beamten des Bundeskriminalamts, des Bundesamts für Verfassungsschutz sowie des Bundesnachrichtendienstes (BND) nach Damaskus und traf den Al-Kaida-Verdächtigen, berichtet das Magazin laut einer Vorausmeldung in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Von CIA nach Syrien verschleppt

Bei dem Verhör berichtete Zammar den Beamten, er habe vor allem einen Todespiloten, Marwan al-Shehhi, von der Pflicht zum Jihad überzeugt. Auch den "Bremer Taliban" Murat Kurnaz, der seit 2002 in Guantanamo Bay inhaftiert ist, habe er nach Afghanistan vermittelt.

Zammar war Ende 2001 während einer Marokko-Reise festgenommen und vom US-Geheimdienst CIA nach Syrien verschleppt worden. Mithäftlinge berichten laut "Spiegel", er werde im Far-Filastin-Gefängnis festgehalten und gefoltert. Ein geplanter zweiter Damaskus-Besuch deutscher Beamter sei nicht zu Stande gekommen, weil die Syrer trotz des Versprechens, ihre Agenten aus Deutschland zurückzuziehen, weiterhin im Spionagebereich aktiv seien. Mit einer vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz übermittelten handschriftlichen Notiz vom Juni 2005 durfte sich Zammar erstmals seit seinem Verschwinden bei seiner Familie in Hamburg melden. Er wird in Damaskus ohne Gerichtsverfahren und ohne anwaltliche Betreuung festgehalten. (APA)

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