Repräsentantenhaus stimmt gegen Truppenabzug aus Irak

23. November 2005, 17:11
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Taktisches Manöver der Republikaner führt zu klarer Ablehnung: Beschlussvorlage in überspitzter Formulierung

Washington - In einem taktischen Manöver republikanischer Abgeordneter ist im US-Repräsentantenhaus ein Antrag zum Abzug der Truppen aus dem Irak auf klare Ablehnung gestoßen. Die in der Kongress-Kammer dominierenden Republikaner hatten die Beschlussvorlage am Freitag selbst in überspitzter Formulierung eingebracht, um die Gegner des Irak-Kriegs zu diskreditieren. Das Votum sei veranlasst worden, um die Unterstützung für die Truppenpräsenz im Irak zu demonstrieren, erklärten die Republikaner.

Politischer Trick

403 Abgeordnete stimmten gegen einen Abzug, nur drei dafür. Die Demokraten kritisierten die Abstimmung als politischen Trick und Angriff auf ihren Abgeordneten John Murtha (73). Der für seinen Dienst im Vietnam-Krieg hochdekorierte Marine-Veteran hatte am Donnerstag gefordert, die US-Truppen so schnell wie möglich abzuziehen, weil sie im Irak nichts mehr erreichen könnten. Die Äußerungen Murthas hatten den Druck auf US-Präsident George W. Bush weiter verstärkt, die Soldaten nach Hause zu holen.

Die Debatte im Repräsentantenhaus verlief äußerst hitzig und untergriffig. Die Republikanerin Jean Schmidt berichtete von einem Telefongespräch mit einem Marine-Soldaten. "Er forderte mich auf, dem Abgeordneten Murtha folgende Botschaft zu übermitteln: Dass Feiglinge weglaufen, Marines hingegen nie." Ein Sturm der Entrüstung unter den demokratischen Abgeordneten war die Folge.

Während Murtha in seiner Entschließung den Abzug der US-Soldaten aus dem Irak "zum frühesten praktikablen Zeitpunkt" und ihre Ersetzung durch eine in der Region stationierte rasche Eingreiftruppe forderte, war in der Gegenresolution der Republikaner lediglich vom "sofortigen Ende" der Mission die Rede. Dies hatten aber nicht einmal die Demokraten gefordert.

63 Prozent kritisieren Bushs Irak-Politik

In einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage haben 63 Prozent der befragten Amerikaner Bushs Irak-Kurs kritisiert. 52 Prozent der Teilnehmer sagten, die US-Truppen sollten sofort oder innerhalb der kommenden zwölf Monate nach Hause zurückkehren. (APA/Reuters)

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    Der hochdekorierte Marine-Veteran John Murtha (73) hatte am Donnerstag gefordert, die US-Truppen so schnell wie möglich abzuziehen. Das Repräsentantenhaus stimmte dagegen.

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