US-Regierung nennt Iran-Bericht beunruhigend

19. November 2005, 10:19
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Teheran verteidigt Atompolitik in Zeitungsanzeige - Iran wirft IAEO ständig neue Forderungen vor - Bericht basiere auf "technischen und rechtlichen Betrachtungen"

Washington - Die US-Regierung hat den neuen Iran-Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO/IAEA) als "beunruhigend" bezeichnet. Der Iran müsse jetzt die Chance ergreifen, und sein Verhältnis zum Rest der Welt in Ordnung bringen, sagte Außenamtssprecher Adam Ereli am Freitag in Washington. Die Führung in Teheran wäre schlecht beraten, wenn sie den Dialog abbrechen würde. Nach den Worten von Ereli will die US-Regierung jetzt mit ihren Freunden über weitere Schritte beraten. Der Sprecher lobte die Bemühungen der Europäischen Union und Russlands zur Beilegung des Atom-Streits als positiv, wertvoll und wichtig.

Der Iran warf unterdessen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vor, ununterbrochen neue Forderungen zu formulieren. "Bestimmte Punkte in dem neuen Bericht zeigen, dass die Behörde nicht beabsichtigt, ihre Forderungen zu beenden", sagte der Vizepräsident der iranischen Atomenergie-Organisation, Jawad Saidi, am Freitag im iranischen Fernsehen. Gleichzeitig erklärte Saidi jedoch, der neue IAEO-Bericht erlaube es dem Iran, weiter mit der Behörde zusammenzuarbeiten.

Der Bericht basiere vor allem auf "technischen und rechtlichen Betrachtungen", was eine weitere Kooperation erlaube. Saidi hofft nach eigenen Worten, dass es bei dieser Betrachtungsweise bleibt und künftig nicht "wie in der Vergangenheit" eine politische Bewertung vorgenommen wird.

"Unnötige Krise"

Auch in einer Zeitungsanzeige in einer US-Zeitung verteidigte der Iran seine Atompolitik. Die USA und ihre europäischen Verbündeten - darunter auch Deutschland - schufen eine "unnötige Krise", hieß es am Freitag in der ganzseitigen Anzeige in der "New York Times". Darin betont die islamische Theokratie, sein Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken. "Tatsächlich ist die vorherrschende Meinung unter den Entscheidungsträgern im Iran, dass die Entwicklung, die Aneignung oder der Besitz von Atomwaffen die Sicherheit des Iran nur gefährden würde", hieß es. Der Iran habe die Umwandlung von Uran wieder aufgenommen, weil Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter dem Druck der USA Vereinbarungen gebrochen hätten.

Insbesondere die USA werfen dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Der Iran hat dies zurückgewiesen. Gespräche über das Atomprogramm des Landes waren unterbrochen worden, nachdem die Islamische Republik im August entgegen einer Zusage vom November 2004 die Uran-Konversion wieder aufgenommen hatte. Am Donnerstag berät die IAEO über den Fall. Sie könnte den Fall an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) verweisen, der Sanktionen beschließen könnte. (APA)

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