Runderneuerung für VW in China

29. November 2005, 12:56
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Der Pkw-Marktanteil des Volkswagen-Konzerns in China liegt nur noch bei 17,3 Prozent - Mit Billig-Modellen will VW-China-Chef Winfried Vahland den Verkauf ankurbeln

Volkswagen will sein verlustreiches Autogeschäft in China bis 2008 radikal umstrukturieren und ein strenges Sparprogramm einführen. "Wir wollen im Pekinger Olympiajahr 2008 mit auf dem Siegerpodest stehen und in China wieder Geld verdienen", sagte der seit Juli zum China-Präsident von Volkswagen berufene Winfried Vahland in Peking. Er kündigte Kostensenkungen von 40 Prozent in den beiden Bereichen Produktion und Vertrieb an.

Gestoppt wurden auch alle Investitionen in Kapazitätserweiterungen. Vahland: "Wir werden beim Sparen jeden Stein umdrehen." Einen Teil seiner Sparauflagen will der Konzern künftig auf seine Zulieferer abwälzen. Um günstiger zu werden, müssen diese größere Stückzahlen herstellen und ihre Fertigung stärker lokalisieren.

Sonder-Importprogramm

Wolfsburg will dafür seinen Zulieferern mit einem Sonder-Importprogramm Anreize bieten. Bis Ende 2006 lässt der Konzern einen Einfuhrplan für Exportteile ausarbeiten. Ab 2007 sollen jährlich für eine Mrd. Euro Teile aus China für Autowerke in Europa und andere Länder bezogen werden. Unklar ist, wie sich die künftigen chinesischen Exporte auf die Geschäfte von VW-Zulieferer in Europa auswirken werden.

Vahland, der einst für Skoda verantwortlich war und die tschechische Erfolgsmarke ab 2007 auch in China produzieren lassen will, nannte das Jahr 2005 den bisherigen "Tiefpunkt" für die Volkswagen-Gruppe im Reich der Mitte. Die beiden Pkw-Jointventure in Schanghai und Changchun werden 2005 mit ihren Verkäufen unter den 610.000 abgesetzten Wagen des Vorjahres bleiben.

Im Dezember 2004 hatte der Konzern noch Rekordbestände von 150.000 unverkauften Pkw auf Halde stehen. Bis Ende 2005 sollen ein Drittel davon abgebaut werden. "Ein paar grüne Pflänzchen zeigen sich bereits", sagte Vahland. Im September und Oktober stiegen die Verkaufszahlen für VW wieder leicht. Auch Reformen in der schwerfälligen Vertriebsstruktur und aggressives Direktmarketing gehören zum Neuanfang. Bis Ende 2007 soll der Marktanteil stabilisiert und neue Märkte erschlossen werden.

Neue Billig-Modelle

Zugleich setzt VW auf die Einführung kostengünstiger Modelle. Bis 2009 will der Autobauer zehn bis zwölf neue Modelle in China produzieren lassen. Schon nächste Woche kommt ein zu hundert Prozent lokal entwickelter neuer Passat unter dem chinesischen Namen Lingyu auf den Markt.

Die in Schanghai hergestellte Passat-Reihe, von denen 2005 rund 90.000 Wagen verkauft werden können, gehört neben den Audis zu den Erfolgsmodellen der Volkswagengruppe in China.

Die harten Einschnitte zur geplanten Runderneuerung seien nötig, damit sich VW im weiter wachsenden, zugleich aber immer härter umkämpften Gesamtmarkt Chinas weiter als führender Anbieter behaupten kann.

Der Anteil von VW an Chinas Automarkt fiel kontinuierlich seit 2001, dem Beitritt Pekings zur Welthandelsorganisation (WTO), von einst 50 Prozent auf inzwischen nur noch 17,3 Prozent. Der Pkw-Verkauf wird heuer auf über drei Mio. Wagen und 2006 auf mehr als 3,3 Mio. geschätzt. China kommt damit noch auf einen größeren Anteil als in Deutschland. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.11.2005)

Johnny Erling aus Peking

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Volkswagen
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    In China hat der Pkw-Verkauf von Volkswagen zuletzt stark gelitten. Die Bereiche Produktion und Vertrieb werden jetzt restrukturiert und einem Sparprogramm unterzogen.

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