Abschlüsse der Lohnrunde sind angemessen

29. November 2005, 14:49
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Wirtschaftsforscher Ewald Walterskirchen erwartet keinen Inflationsdruck durch die bisher ausgehandelten Lohnsteigerungen

Wien - Die bisherigen Abschlüsse der heurigen Herbstlohnrunde sind nach Meinung von Wirtschaftsforscher Ewald Walterskirchen "ziemlich angemessen". Den Gewerkschaften sei es gelungen, die Inflation von 2,5 Prozent abzugelten, stellt er fest. Wegen der Wirtschaftslage sei es nicht möglich gewesen, für den Handel eine stärkere Reallohnerhöhung herauszuholen. Die steigenden Ölpreise würden auch den Spielraum einengen.

Wie berichtet, hat sich der Handel auf eine Gehaltserhöhung von 2,65 Prozent geeinigt. Dazu meinte Felix Hinterwirth, Vorsitzender des GPA-Wirtschaftsbereiches Handel, "der Gehaltsabschluss stärke die reale Kaufkraft für 500.000 Handelsangestellte".

Da im Handel besonders viele Beschäftigte im unteren Einkommensbereich eingestuft sind, werde dieser Abschluss direkt in den Konsum fließen. Zudem wurde ein Paket für Teilzeitbeschäftigte geschnürt. Angestellte mit längerer Anreise zum Job sollen demnach in größeren zusammenhängenden Zeiträumen mit möglichst kurzer Arbeitsunterbrechung beschäftigt werden.

"Relativ hoher" Metaller-Abschluss

Der Metaller-Abschluss sei nicht nur nach Ansicht von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, sondern auch nach Ansicht von Walterskirchen "relativ hoch". Offenbar haben viele Metall-Unternehmen von der Exportkonjunktur profitiert und gute Ergebnisse erzielt. "Und hohe Gewinnsteigerungen lassen sich auch nicht vor der Gewerkschaft und den Betriebsräten verheimlichen", so der Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Ob sich das allerdings alle Betriebe leisten können, sei die Frage.

Dass die Lohnsteigerungen die Inflation anheizen könnten, erwartet er nicht. Wenn der Rückgang der Ölpreise 2006 anhält, könnte die Inflationsrate dadurch gedrückt werden und die nächste KV-Runde wieder niedriger ausfallen. Für die Beamten-Gehaltsverhandlungen sieht der Experte den Metallerabschluss von 3,1 Prozent als Obergrenze und die Erhöhung der Pensionen um 2,5 Prozent als Untergrenze. (bach, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.11.2005)

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