"Donauleichen": Ein bisschen Liebe und keine Hoffnung

18. November 2005, 19:50
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"Donauleichen", ein Film von Peter Kern, dem es an allem mangelt außer am Willen zum kompromisslosen Kino

Wien - Mit den haarsträubenden, trashigen, bitter-boshaften Arbeiten des Filmemachers und Schauspielers Peter Kern verhält es sich ein wenig wie mit jenen reglosen Elenden in Horrorfilmen, denen man sich noch mit herablassender Mitleidsgeste nähern mag, und dann öffnen sie die Augen und verschlingen oder faschieren einen. Vor einiger Zeit nach Wien zurückgekehrt, ist Kern - Kombattant von Fassbinder, Zadek, Schlingensief - bei einem No-Budget-Kino angelangt, dem es - vom Equipment bis zum Verleih - wirklich an allem mangelt, außer am Willen zu kompromisslosem Kino. Und das ist ja nun wiederum in der so genannten heimischen Filmbranche Mangelware.

Also sind Peter Kerns Filme notwendig wie anderswo trocken Brot. Man kann an diesem Brot herum mäkeln, dass es an manchen Stellen zu hart ist oder schimmelt: Es ist immer noch eines der wenigen Grundnahrungsmittel, die man erhalten wird. Und insofern ist auch Kerns jüngster Film Donauleichen - zuletzt inszenierte er die Farce 1. April 2021: Haider lebt! - in jeder Hinsicht existenziell.

Ausgehend von zwei jugendlichen Lebensmüden und ihrer Nachtmeerfahrt (Todesfantasie?) durch ein geradezu fantastisch verrottetes Wien lässt sich Donauleichen nämlich mehr abgewinnen als so mancher 08/15-Küniglbergproduktion: Sex- und Gewalt-fantasien, die einst Fassbinder und viel früher vermutlich auch Ödön von Horwath ein anerkennendes Grinsen entlockt hätten.

Als da wären: Blutwurst, stoische Blicke, von Zeit zu Zeit ein Luftröhrenschnitt oder zumindest die Ankündigung desselben, begleitet von gleichgültigen Kommentaren, dann aber doch wieder Emphase, nicht selten angesichts von Kot. Heutzutage wird so etwas von den entscheidenden Förderkommissionen mit gequältem Schulterzucken abgelehnt, nicht zuletzt, weil die Förderkommissionen mit Leuten besetzt werden, die sich Gedanken an Luftröhrenschnitte verbieten. Obwohl: Geht dem heimischen Kino nicht immer wieder gehörig die Luft aus?

Gewidmet ist Donauleichen übrigens Elfriede Jelinek. Tatsächlich könnte der Film auch Die Ausgesperrten heißen. Wie gesagt: Mitleidig oder selbstgefällig sollte man sich ihm nicht nähern. Dann beißt er nämlich. Jetzt im Kino. (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2005)

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    foto: einhorn
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