Frauen klicken sich in "E-Sport" ein

19. November 2005, 15:09
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Österreich ist bei den World Cyber Games u.a. mit der Spielathletin Verena Vlajo vertreten

Singapur - Es gibt nicht mehr viele Bereiche der Unterhaltungs- und Sportbranche - und als Sport, genauer: E-Sport kann man die Turniere der ComputerspielerInnen durchaus betrachten -, die derart männlich dominiert sind wie die der AthletInnen vor dem Bildschirm.

Bei den am Sonntag zu Ende gehenden World Cyber Games in Singapur, der Weltmeisterschaft der Konsolen- und Computerspieler, sind denn auch die TeilnehmerInnen fast ausschließlich männlich. 800 der besten Gamer aus rund 70 Ländern matchen sich hier in rund 1000 Spielen aus acht verschiedenen Disziplinen. Österreich nimmt mit 13 "Athleten" teil, "einer" davon ist die "Ausnahmefrau" Verena Vlajo.

Die 24-jährige angehende Volksschullehrerin, die auch als Redakteurin beim österreichischen Spielemagazin consol.at arbeitet, ist seit 2001 aktive E-Sportlerin. Dass sie meist das einzige Mädchen bei Turnieren ist, stört sie jedoch nicht: "Gerade weil es in der Szene so wenig Mädchen gibt, hat man es leichter. Das mit der Akzeptanz ist eine andere Sache. Ich hatte damit nie ein Problem, denn ich war und bin gut und sehe mich als Gamer wie alle anderen. Ich fühl mich nicht als etwas Besonderes und verhalte mich auch nicht so", erzählt sie.

Ihre ersten Kontakte mit Videospielen hatte sie mit vier Jahren. Seitdem haben die Spiele sie stets begleitet; zuerst auf einer Mattel Intellevision, später einer Nintendo-Konsole und dann am PC.

Spiel und Sucht

Dass Videospielen auch irgendwie süchtig machen kann - die Angst vieler Eltern - bestreitet sie nicht, will dabei aber auch die Erziehungsverantwortlichen nicht ganz aus der Verantwortung lassen: "Süchtig kann man nach fast allem werden, mit dem man es übertreibt. Natürlich auch nach Spielen. Es liegt an den Eltern, die Kinder schon früh den richtigen Umgang mit den neuen Medien zu lehren." Und das gehe eben nur, wenn beim Thema Games nicht immer gleich auf stur geschalten werde, sondern Eltern und Kinder sich offen damit auseinander setzen würden. "Hilfreich dabei wäre auch, dass man in den Medien nicht immer nur negative Vorurteile über Gamer wiedergekäut", fügt sie noch einen kleinen Seitenhieb hinzu.

Also: Mehr Gespräche zwischen den Generationen, allgemeine Anerkennung des Computer- und Konsolenspielens als Sportart - und der Anteil der weiblichen Spieler von derzeit maximal fünf Prozent (so die Einschätzung Vlajos) bei Computer-Events aller Art würde sich deutlich erhöhen, ist die heimische E-Sportlerin überzeugt. "Erst wenn man den E-Sport aus seiner pubertär-männlich-pickeligen Nischenecke holt, wird er auch für andere interessant." (mig, DER STANDARD, Print, 19./20.11.2005)

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    Teilnehmerinnen sind bei World Cyber Games in Singapur die Ausnahme.
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