Jeden Tag Physik

19. November 2005, 10:30
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22. November: Gleichrichter

Am 22. November 1874 erschien in den Annalen der Physik ein Artikel, der die Tür zum Elektronikzeitalter aufstieß: Ferdinand Braun (1850 bis 1918), damals zweiter Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften an der Thomasschule Leipzig, beschreib, dass Kristalle aus Schwefel-Metall-Verbindungen den Strom in eine Richtung viel besser leiten als in die Gegenrichtung. Damit hatte er gleichzeitig das erste elektronische Bauelement (den Gleichrichter) und die erste Anwendung von Halbleitern gefunden.

Dieser Gleichrichtereffekt an Kristallen widersprach dem Ohm'schen Gesetz, fand aber dennoch kaum Beachtung. Allerdings begründete er den wissenschaftlichen Ruf von Ferdinand Braun. Eine Erklärung für diesen Effekt konnte Braun trotz intensiver Forschung zeitlebens nicht mehr geben, dazu fehlten damals noch die physikalischen Grundlagen - dies gelang erst im 20. Jahrhundert mit den Erkenntnissen der Quantenphysik. Es dauerte etwa dreißig Jahre, bis sich Brauns Entdeckung auch praktisch bewährte, nämlich in den so genannten Kristalldetektoren, den Radioapparaten der ersten Generation.

Aber Braun veränderte unser Leben noch weit mehr: 1897 veröffentlichte er unter dem Titel "Über ein Verfahren zur Demonstration und zum Studium des zeitlichen Verlaufs variabler Ströme" eine bahnbrechende Erfindung, die so genannte Braun'sche Röhre - die Fernsehröhre. 1909 bekam er dafür den Physiknobelpreis.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20. 11. 2005)

Für das laufende Weltjahr der Physik erarbeiteten heimische Schulen mit der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft einen Physik-Kalender: Dort findet sich zu jedem Tag im Jahr ein für die Physik bedeutendes Ereignis. Das ALBUM öffnet für jede Woche ein ausgewähltes Kalenderfenster.

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