Frau Elses Gespür für den Grünen Veltliner

20. November 2005, 20:23
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Else Zuschmann macht mit ihrem Mann Peter Wein in Martinsdorf, liebt Veltliner und ist ein perfektes Exempel für den Aufschwung dieser Region

"Ich habe immer schon gerne im Betrieb mitgeholfen", erzählt Else Zuschmann. Die Eltern führten, wie im Weinviertel nicht wirklich selten, eine gemischte Landwirtschaft mit Viehzucht "und allem, was dazu gehört. Und dann ist mir eingefallen, dass ich eigentlich Klosterneuburg (Weinbaufachschule Anm.) machen könnte", erzählt sie. 1998 maturierte sie und stieg danch in den Betrieb der Eltern ein, allerdings nicht ohne in Südtirol und der Thermenregion weitere weinbautechnische Erfahrungen zu sammeln.

Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Schöfmann, der aus der Gastronomie kommt und auch Weinakademiker ist, ist sie heute für das Weinmachen zuständig. Der Betrieb wurde von ihr umgestellt: "Ein gewisser Prozess war die Übernahme schon", erzählt sie. Aber sobald sich der Erfolg eingestellt hatte, "war es überhaupt nicht mehr schwierig".

Sie steht dabei exemplarisch für die Entwicklungen der Region, darunter auch für das sich verändernde Rollenbild der Frauen im Weinviertel, einer Region, die seit der Einführung der Regionsmarke Weinviertel DAC und einem vor wenigen Jahren einsetzenden Generationswechsel einen deutlichen Aufschwung erlebte.

Rollenwechsel Zuschmann gehört zu jenen Frauen, die sich nicht mehr mit den ihnen traditionell zugedachten Rollen - Familie, Mitarbeit im Betrieb und Verkauf - zufrieden geben, sondern verstärkt auf Fachausbildungen in Weinbau und Marketing setzen. Frauen hätten "immer die Arbeit gemacht, die gerade angefallen ist", wären aber nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen. "Meine Generation hat erkannt, dass es eine hauswirtschaftliche Ausbildung eigentlich nicht mehr bringt", so Zuschmann. Dazu kamen die Eltern, die meinten, dass "das Kind etwas lernen soll". Was natürlich auch für ihre beiden Schwestern, eine Marketing-Fachfrau und eine Studentin der FH Wiener Neustadt, gegolten habe.

Rund 60 Prozent der 13 Hektar Rebflächen sind Grüner Veltliner, Paraderebsorte der Region und Zuschmanns "Liebling". Dazu kommen etwas Riesling, Chardonnay und Traminer, sowie Zweigelt als wichtigste Rotweinsorte. Den typischen Veltliner möchte sie forcieren, ihre Ambitionen gehen in Richtung kräftiger Veltliner, ein Bereich, "wo im Weinviertel vieles noch nicht erforscht ist". Zum Beispiel müsse man die Lagen-Idee "unbedingt" viel stärker ausbauen. "Gute Lagen sind nicht immer die bequemsten, aber sie müssen revitalisiert werden."

Probieren kann man Zuschmann-Weine im Familien-Heurigen, der mehrmals jährlich ( noch bis 11. 12.) einige Wochen geöffnet ist und von der Winzerin (Service) und ihrem Mann (Küche) betrieben wird. (Luzia Schrampf, DER STANDARD - Printausgabe, 19./20. November 2005)

Die besten Weine Österreichs 2005/2006
2. Teil, Mi, 23. 11.:
Pado - Peter Andreas Dolle, Straß

Link

www.zuschmann.at
  • Hinter der erfolgreichen Winzerin steht ein starker Mann - Else Zuschmann und Peter Schöfmann.
    foto: o. semrad

    Hinter der erfolgreichen Winzerin steht ein starker Mann - Else Zuschmann und Peter Schöfmann.

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