Geistesblitz: Privat und wissenschaftlich ein Gipfelstürmer

18. November 2005, 19:03
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Innsbrucker Quantenphysiker Peter Zoller erhielt nun auch die Niels-Bohr-Medaille der UNESCO

Berge sind seine Leidenschaft. Wann immer der Innsbrucker Physiker Peter Zoller die Zeit dazu findet, stürmt er mit Skiern oder Bergschuhen die Tiroler Gipfel. Allein oder in Begleitung seiner Familie - der 1952 in Innsbruck geborene Wissenschafter ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Söhne. Dort oben findet er Ruhe und Inspiration, aber auch Muße zur Reflexion über seine international angesehene Arbeit. Eine Arbeit in der Grundlagenforschung, die ihn auch wissenschaftlich zum Gipfelstürmer macht: Eine Auszeichnung nach der anderen markieren Peter Zollers Aufstieg auf der steilen physikalischen Karriereleiter. Zuletzt erhielt er vergangenen Dienstag in der Königlich Dänischen Akademie der Künste und Wissenschaften in Kopenhagen die Niels-Bohr-Goldmedaille der Unesco. Wenige Monate zuvor hatte er die Max-Planck-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft erhalten - nach dem Nobelpreis die höchste Auszeichnung in seiner Wissenschaftsdisziplin.

Peter Zoller ist Professor für Theoretische Physik an der Uni Innsbruck und einer der wissenschaftlichen Direktoren am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er leistete zahlreiche Beiträge zu Entwicklungen auf dem Gebiet der Quantenoptik und Quanteninformation, vor allem Pionierarbeit in der Theorie der Verschränkung, des Quantencomputers und der Quantenkommunikation. Seine theoretischen Arbeiten gehen der experimentellen Umsetzung um Jahre voraus und werden weltweit aufgegriffen, um schließlich in Experimenten realisiert zu werden.

Zoller studierte in Innsbruck Physik, promovierte 1977 und habilitierte sich 1980. Er wirkte als Gastprofessor an zahlreichen international renommierten Unis, erhielt Rufe unter anderem nach Harvard, war lange am Joint Institute for Laboratory Astrophysics in Boulder, bevor er 1994 den Ruf nach Innsbruck annahm. 1998 wurde ihm mit dem Wittgenstein-Preis die höchste österreichische Wissenschaftsauszeichnung verliehen, im selben Jahr erhielt er den Schrödinger- und den Max-Born-Preis.

Trotz aller Ehren blieb Zoller bescheiden: "Natürlich freut mich das. Aber eigentlich bin ich nur ein Repräsentant eines hervorragenden Teams." Entscheidend sei dabei, dass in Österreich und ganz besonders in Innsbruck "eine ausgezeichnete Umgebung besteht und viele hervorragende Wissenschafterinnen und Wissenschafter so etwas wie eine kritische Masse darstellen". Dies fördere auch das Interesse beim Nachwuchs. Dazu bedürfe es natürlich auch der Einsicht der älteren Physikergeneration, ihre Erkenntnisse populärwissenschaftlich und somit für die Allgemeinheit verständlich zu vermitteln. Zoller tut dies beispielsweise mit Vorträgen an Volkshochschulen und Schulen. "Nur so kann man in jungen Menschen, also im Nachwuchs, eine Faszination für die Quantentheorie wecken." Und was, wenn sich die einmal als unwahr herausstellen sollte? "Das ist dann umso spannender, denn dann ist wirklich wieder alles offen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20. 11. 2005)

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    illustration: standard/oliver schopf
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