Interview: Austria-Vize Pelinka zur GV

22. November 2005, 15:58
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Die Wiener Veilchen haben eine möglicherweise lustige Generalversammlung vor sich - Vizepräsident Peter Pelinka im STANDARD-Interview

Standard: Was wird am 24. November bei der Austria-Generalversammlung passieren?
Pelinka: Es könnte sein, dass ein Antrag zur Abstimmung kommt, der die Abwahl von Präsident Peter Langer beinhaltet. Dazu wäre eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Ein Misstrauensantrag gegen die beiden Vize, also Andreas Rudas und meine Person, ist auch möglich. Das hätte aber keine unmittelbaren Folgen, weil wir vom Verwaltungsrat bestellt werden. Im Vorfeld tagt das Kuratorium unter Michael Häupl, dabei dürfte klar gestellt werden, dass alle an einem Strang ziehen.

Standard: Kuratoriumsmitglied Helmut Denk behauptet, dass er neue Sponsoren an der Angel hat. Der mögliche Antrag ist demnach gegen Frank Stronach und Magna gerichtet.
Pelinka: Natürlich, es geht um die Auflösung des Betriebsführungsvertrages. Das kann man aber nicht ins Auge fassen, wenn es keine Alternativen gibt. Herr Denk hat Listen von möglichen Sponsoren für den Fall einer Stadionerrichtung in Rothneusiedl. Es ist nett, dass er sich bemüht. Aber es ist unrealistisch, weil das Stadion ja noch nicht existiert. Und wer außer Stronach könnte es um rund 100 Millionen Euro bauen lassen?

Standard: Wäre ein Rückzug von Stronach wünschenswert?
Pelinka: Es wäre generell wünschenswert, dass nicht mehr so gravierende Fehler passieren. Natürlich ist es sinnvoll, nach Alternativen zu suchen. Nur muss man welche finden, bevor man gackert. Nur Gackern, ohne Eier zu legen, ist lächerlich.

Standard: Welche Rollen spielen Herbert Prohaska und Toni Polster?
Pelinka: Prohaska überhaupt keine. Polster insofern eine, als die Fans in ihn Hoffnungen projizieren. Er ist durch seine Entlassung als Generalmanager emotional bewegt, führt einen kleinen Rachefeldzug gegen Stronach.

Standard: Fakt ist, dass die Austria unter Stronach nahezu sämtliche Ziele verfehlt hat.
Pelinka: Für den finanziellen Bereich gilt das nicht. Zumindest bis zum Auftreten von Dietrich Mateschitz in Salzburg waren wir der am besten abgesicherte Verein. Strukturell liegt einiges im Argen. Das liegt daran, dass Stronach ein Mann der einsamen Entscheidungen war und ist.

Standard: Seine Personalentscheidungen sind ja bisweilen kaum nachvollziehbar?
Pelinka: Es gab zwei extreme Fälle. Wenn die Austria fußballerisch am besten da stand, patsch, war der Trainer weg. Das traf auf Walter Schachner und Lars Söndergaard zu.

Standard: Duldet Frank Stronach keine erfolgreichen Leute neben sich?
Pelinka: Ich möchte mich dazu nicht psychologisch auslassen.

Standard: Vizepräsident bei der Austria zu sein, ist in dieser Struktur ein Titel ohne Wert.
Pelinka: Natürlich kann man kaum gestalten. Man kann aber versuchen, die ärgsten Fehler des Betriebsführers zu verhindern.

Standard: Stronach muss doch merken, dass er nicht wirklich gemocht wird. Besteht die Gefahr, dass er den Hut drauf haut?
Pelinka: Nein. Er denkt eher, jetzt erst recht. Natürlich wäre es schön, wenn der Verein wieder Macht hätte, den Vertrag lösen könnte. Aber so lange es niemanden gibt, der 20 Millionen, abgesichert auf fünf Jahre, auftreibt, wird und kann sich nichts ändern.

Standard: Was macht Red Bull Salzburg besser?
Pelinka: Mateschitz schafft es zu delegieren. Er rechnet nachher ab, greift nicht in die laufenden Geschäfte ein.

Standard: Es ist davon auszugehen, dass im Dezember das Trainerduo Stöger/Schinkels abgelöst wird. Wer folgt nach?
Pelinka: Offiziell kann ich das nicht bestätigen, aber es wird Bilanz gezogen. Aus meiner Sicht ist Stöger ein toller Sportdirektor. Ivica Osim ist ein Kandidat. Für mich wären auch Schachner und, völlig unrealistisch, Söndergaard Anwärter. Aber das entscheidet Stronach.

Standard: Wird Stronach gestärkt aus der Generalversammlung gehen?
Pelinka: Auf keinen Fall geschwächt. (DER STANDARD Printausgabe 19.11.2005)

Zur Person:

Peter Pelinka (53), Chefredakteur des Magazins "News", ist seit 1998, also noch vor Frank Stronachs Einstieg, Vizepräsident der Austria.

  • Peter Pelinka kann nicht gestalten, will aber Fehler verhindern.

    Peter Pelinka kann nicht gestalten, will aber Fehler verhindern.

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