Aufnahmestellen gefordert

20. November 2005, 19:01
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Nach Eskalationen rund um Flüchtlingsheime sollen regionale, kleinere Einheiten der Schlüssel zum Integrationserfolg sein

St. Georgen - Der Bürgermeister von St. Georgen im Attergau ist am Tag nach dem Krisengipfel am vergangenen Donnerstag bei Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) rund um die Erstaufnahmestelle Thalham durchaus zufrieden. "Die Frau Minister hat Verständnis für die dramatische Situation bei uns gezeigt. Zusperren kann sie aber Thalham vorerst nicht", erzählte Wilhelm Auzinger (VP) am Freitag dem STANDARD.

"Vorsichtig optimistisch" sei er auch, weil es "bereits Gespräche mit Verteidigungsminister Platter gibt, ob man Thalham nicht in eine ehemalige Kaserne verlegen könnte", sagt der Bürgermeister. Sofortmaßnahmen für St. Georgen, wo die Situation zwischen Asylanten und Ortsansässigen, seit der Umwandlung der Betreuungsstelle Thalham in eine Erstaufnahmestelle im Mai 2004, regelmäßig eskaliert, wurden dennoch vereinbart. Mehr Exekutive und Streetworker sollen für eine Entspannung im Ort sorgen. Eine Straßenblockade gegen Thalham wird es aber heute, Samstag, dennoch geben.

Familienfreundlich Einen weiteren "wichtigen Wunsch" habe er, Auzinger, auch bei Liese Prokop deponiert: "Ich habe sie gefragt, ob nach St. Georgen vielleicht nur mehr Flüchtlingsfamilien kommen könnten - und allein stehende Russen oder Tschetschenen eher nach Traiskirchen". Fritz Knotzer, SPÖ-Bürgermeister von Traiskirchen (NÖ), bleibt dennoch gelassen: "Ich bin ja sowieso bereits gewöhnt, dass alle zu uns kommen. Die Erstaufnahmestelle Traiskirchen ist mit derzeit etwa 1400 Flüchtlingen übervoll, die Situation eskaliert".

Einzige Lösung sind für Knotzer mehr Erstaufnahmestellen. "Wir brauchen in jedem Bundesland eine Einrichtung", fordert der SP-Bürgermeister. Außerdem müsse der Bund endlich die Länder in die Pflicht nehmen, ihre Quote zu erfüllen.

Für mehr Erstaufnahmezentren spricht sich auch der Klubobmann der oberösterreichischen Grünen, Gunther Trübswasser, aus: "Nur so können wir Situationen wie in Traiskirchen oder Thalham vermeiden. Ein schweigendes Innenministerium, das erst bei einer Eskalation reagiert, ist zu wenig", kritisiert Trübswasser. Vor allem im Bereich der Kommunikation mit der Bevölkerung müsse viel mehr passieren.

Kleinere Einheiten Mehr Erstaufnahmestellen wünscht sich auch der für Asylfragen in Oberösterreich zuständige Landesrat Josef Ackerl (SPÖ): "Wir erfüllen die Grundversorgungsvereinbarung zu hundert Prozent. Dabei haben wir festgestellt, dass kleinere, regional gestreute Quartiere deutlich zur Reduzierung der Bevölkerungsängste und zu einer besseren Integration führen". Wichtig sei dabei vor allem, so Ackerl, eine "enge Zusammenarbeit mit den NGOs". (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 19./20. November 2005)

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    foto: standard/hendrich
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