Wasserstoffgeschoß, ultraüppig

27. Dezember 2005, 17:01
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Jetzt ist Kurt Falk auch nicht mehr. Das noch erscheinende der von ihm geprägten Blätter, "Die Ganze Woche" hat auf sein Ableben...

Jetzt ist Kurt Falk auch nicht mehr. Das noch erscheinende der von ihm geprägten Blätter, "Die Ganze Woche", hat auf sein Ableben mit einer bescheidenen einspaltigen Anzeige auf Seite 12 unter dem Titel Standpunkt reagiert und damit einer schriftlichen Dienstanweisung des Chefs Folge geleistet. Kurz davor hat er uns geschrieben: "Bitte keinen Nachruf! Ich möchte diese Welt ebenso lautlos und unbemerkt verlassen, wie ich sie betreten haben."

Das konnte verständlicherweise nicht ganz gelingen, aber seinem ehemaligen Kompagnon in der "Kronen Zeitung" hat er damit die Latte der Bescheidenheit ganz schön hoch gelegt. Dass Kurt Falk zwischen dem Betreten der Welt und ihrem Verlassen seinen Geschäften immer lautlos und unbemerkt nachgegangen wäre, kann man nicht behaupten, was aber der Loyalität seiner Mitarbeiter und ihrem Gehorsam über den Tod hinaus keinen Abbruch tat. Daran wollen wir uns natürlich halten und auch an alles, was wir von ihm lernen durften.

Damit wollen sie es genau nehmen - was die "Ganze Woche" als ein Blatt voll jenes prickelnden Charmes erhalten wird, der einst schon "Täglich alles" adelte. Genaugenommen kreisten seine Überlegungen stets darum, der Wahrheit, den Tatsachen, so nahe wie möglich zu kommen, um den Lesern ein wirklichkeitsgetreues Bild dieser Welt zu vermitteln.

Das soll aus Gründen der Pietät so stehen bleiben, wie es hingeschrieben wurde.

Auch in weniger erfolgreichen Häusern kreisen die Überlegungen von Herausgebern stets darum, der Wahrheit, den Tatsachen, so nahe wie möglich zu kommen, um den Lesern ein wirklichkeitsgetreues Bild dieser Welt zu vermitteln. "NEWS" ist darin seit einigen Wochen noch erfolgreicher, als es das bisher schon war. Dabei hätte schon vorher niemand geglaubt, irgend etwas könnte noch erfolgreicher sein als "NEWS" - nicht einmal "NEWS". Was der Herausgeber diese Woche in seinem editorial den Lesern mitteilte, stellt daher die Verkündigung eines Wunders dar: 89 % der Leser empfinden das "neue" NEWS als "modern und zeitgemäß". Je 94 % loben Aktualität und Fotoqualität, 84 % die Übersichtlichkeit, 81 % den Themenmix. Und noch immer an die 75 % der Leser bewerten den Schreibstil von NEWS mit "sehr gut" oder "gut".

Wir fragen nicht nach, wie diese Werte ausgesehen haben, ehe NEWS RELOADED wurde, und lassen es daher aus Gründen der Pietät so stehen, wie es hingeschrieben wurde. Denn es gilt auch, den 10. Geburtstag von "tv media" zu feiern, wo derselbe Herausgeber einen Chef von über 30 TV-Sendern in 11 Ländern - das kann nur Gerhard Zeiler sein - über den Grund für den beispiellosen Siegeszug des Magazins sinnieren lässt. Darauf wären andere nie gekommen: "Buntes und Aktuelles, Hintergrund und Meinung, Service und Entertainment haben "tv media" wozu gemacht? Also jetzt raten Sie einmal, das kann doch nicht so schwer sein: Zum Superstar unter den TV-Magazinen.

Mit dem ORF kann das nichts zu tun haben. Gegründet, als Zeiler angetreten war, den ORF aus der TV-Steinzeit zu holen - ein kleines Dankeschön für den Superstar -, hat "tv media" auch dessen politischen Rückfall in dieselbe gut überstanden. Das Schönste für uns: In einer Zeit, die von sinkenden TV-Quoten und extremem Wettbewerb geprägt ist, behauptet sich TV-MEDIA auf einer beeindruckend stabilen Flughöhe. Mehr noch: Von der Politik bis zur ORF-Führung, von den TV-Machern bis zu den Werbern - für sie alle ist TV-MEDIA längst zum Leitmedium geworden. Da könnte etwas dran sein.

Was in TV-MEDIA steht, hat Gewicht - und das seit 10 Jahren. In erster Linie wäre da wohl Pamela Anderson zu nennen. Nur selten wird man eine Treue finden, die an jene der Ikone der Fernseh-Hefteln zur Ikone der Erotik heranreicht. Sieg für Pam. Die ,Baywatch'-Blondine ist der Cover-Superstar von TV-MEDIA: 30-mal schaffte sie es aufs Titelblatt! Was dem Einfallsreichtum der Blattmacher ein schönes Zeugnis ausstellt. Man könnte sagen: Was der Jörg für "NEWS", war die Pam für "tv media".

Erstmals prangte das ultraüppige Wasserstoffgeschoss im März 1996 am TV-MEDIA-Cover. Die ausladenden Formen der mittlerweile 38-Jährigen waren freilich schon damals sensationeller als die Serie selbst. "Busenwunder Pamela" lautete folgerichtig die Titel-Headline. Denn auf Folgerichtigkeit legt man im Hause Fellner größten Wert.

Dass Pams Leben noch nicht verfilmt wurde, grenzt an ein Mirakel - sollte "tv media" in der Filmwelt noch nicht zum Leitmedium geworden sein? Vor allem eine Szene wäre es wert. 2003 gab sie am Wiener Opernball Richard Lugners Promi-Aufputz. Also doch einer, der auf das Magazin hört! Auch mit Hepatitis C wollte sich die Skandalnudel, respektive öffentlichste Frau des Glitzer-Biz infiziert haben, allerdings nicht beim Opernball.

Zur Freude des Superstars unter den TV-Magazinen macht die Silikonkönigin munter weiter - einer Intimbeichte werden viele andere folgen. Gut so, denn dieser Körper erinnert an "tv media": der nackte Wahnsinn. (DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2005)

Von Günter Traxler
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