Rudas will "sachliche Diskussion"

22. November 2005, 15:58
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Stronach kann vor Austria-GV entspannt sein - Betriebsführungsvertrag laut "Kurier" ein "Ehevertrag ohne Scheidungsklausel"

Wien - Der austro-kanadische Milliardär, Magna-Boss und Austria-Mäzen Frank Stronach kann der Generalversammlung des Wiener Fußball-Traditionsvereins am Donnerstag (24. November) trotz des gegen das Präsidium eingebrachten Misstrauensantrages gelassen entgegen sehen. Wie der "Kurier" in seiner Samstag-Ausgabe offen legt, ist der seit 1. Februar 2000 laufende Betriebsführungsvertrag zwischen Stronachs "Sport Management International GmbH & Co KG" (SMI) und der Austria nämlich praktisch nur einseitig durch die erwähnte Magna-Firma kündbar.

In dem am 21. November 2000 rückwirkend abgeschlossenen Kontrakt wird die rechtliche Beziehung zwischen den Violetten und der SMI geregelt. Die Austria ist, wie ausdrücklich festgelegt, nur unter einer unwahrscheinlichen Bedingung berechtigt, "das Vetragsverhältnis unter Einhaltung einer einjährigen Kündigungsfrist zum 30. Juni eines jeden Jahres aufzukündigen": "Wenn im Zeitpunkt der Kündigungserklärung die Kampfmannschaft nicht (mehr) an der Meisterschaft in der obersten Spielklasse der Bundesliga teilnimmt, und gleichzeitig auch feststeht, dass dies auch im folgenden Meisterschaftsspieljahr nicht der Fall sein wird."

Weiters wurde im Betriebsführungsvertrag festgelegt, dass die SMI im Falle einer Vertragsauflösung dafür Sorge tragen wird, "dass dem Verein bei Vertragsauflösung eine Kampfmannschaft mit 26 Kaderspielern zur Verfügung steht (verbleibt bzw. verschafft wird), die weder hinsichtlich ihrer Einsetzbarkeit (Tormann, Verteidiger, Mittelfeldspieler, Stürmer) noch sonst irgendwelchen Anforderungen an eine bestimmte Qualifikation oder Befähigung genügen müssen. Insbesondere müssen diese Spieler nicht schon zum Kader der Kampfmannschaft gehört haben", ist dem im "Kurier" abgedruckten Faksimile eines Teils des Vertrages zu entnehmen.

Sollte Stronach, was derzeit ebenfalls unwahrscheinlich ist, also von sich aus das Handtuch werfen, wäre die sportliche Zukunft der Favoritner alles andere als gesichert.

Austria-Vizepräsident Andreas Rudas, der sich so wie Präsident Peter Langer und der zweite Vize Peter Pelinka einem von Kuratoriumsmitglied Helmut Denk eingebrachten Misstrauensantrag gegenüber sieht, will die Diskussionen auf eine "sachliche, unemotionelle" Ebene bringen. "Die Gruppe um Herrn Denk soll ihre Finanzierungsmodelle offen legen, aber nicht erst bei der Generalversammlung, das wäre unfair, sondern bereits Anfang der kommenden Woche", meinte der Magna-Konzernsprecher gegenüber der APA - Austria Presse Agentur und ergänzte: "Wer A sagt, muss auch B sagen. Man soll zeigen, wie die alternative Finanzierung aussieht, dann kann man darüber diskutieren. Was aber nicht heißt, dass sie Frank Stronach akzeptiert."

Rudas kritisierte die Vorgehensweise der Stronach-Gegner: "Es geht um die Art und Weise der Diskussion, die gegen Frank Stronach geführt wurde, nämlich persönlich und ohne Rücksicht auf das, was er für die Austria und Österreich schon geleistet hat." (APA)

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