Ein offener Konflikt

18. November 2005, 19:55
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FIFA-Präsident Blatter übt nach den Tumulten von Istanbul scharfe Kritik, in der Türkei wird dem Schweizer Partei­lichkeit vorgeworfen

Wien - Die FIFA hat am Freitag eine Disziplinaruntersuchung der Vorfälle beim WM-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und der Schweiz eingeleitet. Klarheit über die Ereignisse in Istanbul wird sich die Kommission mit Hilfe des Spielkommissars, des Schiedsrichter-Beobachters und des zusätzlich nominierten Sicherheits-Beauftragten sowie TV-Bildern verschaffen.

Blatter kritisiert scharf

"Ich sage das nicht als Schweizer, sondern als FIFA-Präsident: Wir werden auf die Vorfälle hart reagieren. Das war Anti-Fair-Play. Es darf nicht sein, dass sich ein Team nicht mehr freuen darf, und sich die Spieler wie Diebe vom Feld stehlen müssen. Der Gedanke des Fairplay wurde in Istanbul mit Füßen getreten", betonte Joseph Blatter, der auch eine Suspendierung des türkischen Verbandes in Erwägung zog. Der türkische Sportminister Mehmet Ali Sahin kritisierte am Abend Blatters Aussagen: "Er sprach wie ein Schweizer Fan und nicht wie ein FIFA-Präsident."

Via "CNN Türk" hat sich der türkische Verbands-Vize Sekip Mosturoglu gegen die Aussagen von Blatter zur Wehr gesetzt. "Ich finde es bedauerlich, dass er ein völlig einseitiges Statement abgegeben hat, ohne die Berichte der verantwortlichen Gremien abzuwarten." Laut Mosturoglu mussten einige Sicherheitsbeamte medizinisch behandelt werden. "Und vermutlich werden die türkischen Spieler nicht ihre eigenen Sicherheitskräfte attackieren."

Bei den TV-Bildern wird man auch den Schweizer Benjamin Huggel in Aktion sehen. Seine Tätlichkeit gegen den türkischen Assistenzcoach Özdilek und seine Attacke gegen Alpay waren um die Welt gegangen - es waren die einzigen Bilder der Tumulte. "Er hatte vorher auf gleiche Weise Barnetta getreten, ich habe ihn gerächt", erklärte Huggel, der niedergeschlagen meinte: "Jetzt werde ich wohl 100 Jahre gesperrt."

Echo in den Medien

Die türkische Zeitung "Vatan" meint zwar Blatter sei "ein fanatischer Fan, dem nur das Nationaltrikot gefehlt hat", gestand aber auch eine Mitschuld der Gastgeber ein und veröffentlichte Fotos, die den türkischen Co-Trainer Mehmet Özdilek dabei zeigen, wie er einem Schweizer Spieler ein Bein stellt und damit die Tumulte auslöst. Huggel hatte daraufhin mit einem Tritt gegen Özdilek reagiert.

"Hinrichtung ohne Gerichtsurteil", titelte die auflagenstarke Zeitung "Sabah" und wies darauf hin, dass der Weltverband seinen Sitz in der Schweiz habe und Präsident, Generalsekretär und Pressesprecher allesamt Schweizer seien.

Bicakci fordert Strafe für Schweiz

Der türkische Verbandspräsident Levent Bicakci verlangte hingegen, dass die Schweiz ebenso bestraft werden müsse wie die Türkei. "Wir wollen, dass auch das mit Fair-Play unvereinbare Verhalten der Schweizer bei beiden Spielen in Rechnung gestellt wird", sagte Bicakci. "Wenn wir eine Strafe bekommen, werden wir alles tun, was in unserer Macht liegt, damit die Schweiz dieselbe Strafe erhält." Die Erklärungen Blatters hatte der Verband zuvor als unglücklich, einseitig und voreilig kommentiert.(APA)

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Neue Zürcher Zeitung
"Nüchterne Analysen in der türkischen Presse"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Harte Zeiten für Sepp Blatter.

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