Amnesty fordert uneingeschränkten UNO-Zutritt zu Guantánamo-Lager

23. November 2005, 17:11
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"Nur der sichtbare Teil eines Eisbergs von Misshandlungen"

London - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat die USA aufgefordert, den Vereinten Nationen uneingeschränkten Zutritt zu allen Gefangenen im Lager Guantánamo Bay auf Kuba zu gewähren. Die von Washington erlassenen Restriktionen für einen Besuch der Experten der UNO-Menschenrechtskommission seien nicht akzeptabel. "Guantánamo ist nur der sichtbare Teil eines Eisbergs von Misshandlungen, das berüchtigtste Glied in einer Kette von Gefangenenlagern, die den US-Luftwaffenstützpunkt Bagram (Afghanistan), Gefängnisse im Irak und geheime Einrichtungen sonst wo verbindet", sagte Amnestys internationale Generalsekretärin Irene Khan am Freitag in London.

Am Wochenende veranstaltet AI zusammen mit der britischen Organisation Reprieve in London eine Konferenz von ehemaligen Guantánamo-Gefangenen sowie deren Familien. Damit solle auf das zunehmend "globalisierte Netzwerk von Folter und Misshandlung" aufmerksam gemacht werden. Es sei die Aufgabe jeder Regierung, die eigene Bevölkerung zu schützen, aber "Terror mit Terror zu bekämpfen ist eine Katastrophe", hieß es in einer Presse-Erklärung. Respekt vor den Menschenrechten sei die beste Waffe im Kampf gegen Terror.

Auf dem US-Stützpunkt Guantánamo Bay werden seit Jahren mehr als 500 Terrorverdächtige ohne Anklage oder Prozess festgehalten. Entlassene Gefangene hatten wiederholt über Folter und Misshandlungen geklagt. Die UNO fordert seit langem Zugang zu dem Lager, lehnten aber das Angebot Washingtons für einen Besuch unter strikten Bedingungen ab. Die Weigerung der amerikanischen Behörden, Gesprächsmöglichkeiten mit Gefangenen zuzulassen, sei nicht hinnehmbar, sagte der Sprecher der UN-Menschenrechtskommissarin, José Diaz, in Genf. (APA/dpa)

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