Jüdische Filmwoche zieht zum Abschluss Bilanz

24. November 2005, 15:25
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Programmierung von "Paradise Now" noch einmal explizit verteidigt

Wien - Mit der Dokumentation "10 Days in Gaza" ("Asarah Jamim b'Asah") ging Donnerstag Abend im Wiener Votivkino die 13. Jüdische Filmwoche zu Ende. Der Film über den Abzug jüdischer Siedler aus Gaza wurde in Anwesenheit des israelischen Regisseurs Dov Gil-Har, Dokumentarfilmer und Journalist beim israelischen Fernsehsender Channel 2 News, gezeigt.

"10 Days in Gaza"

Die dramatischen Szenen bei der Räumung des von Israel besetzten Gaza-Streifens und einiger jüdischer Siedlungen im Westjordanland im August dieses Jahres sollten nicht vergessen werden, begründete der Regisseur seine Motivation für den Film, der in Israel noch nicht gezeigt wurde. Gil-Har erwartet, dass er erst zum ersten Jahrestag des Abzugs, im Sommer 2006, dem israelischen Publikum präsentiert wird.

Dov Gil-Har schildert den Abzug jüdischer Siedler aus Gaza anhand von teilweise bisher unveröffentlichtem Material des israelischen Fernsehsenders Channel 2 News. Die Szenen wurden im August und September 2005 gedreht wurden. Die Darstellung weinender Kinder aus Siedlerfamilien, die ihre Häuser und ihre Freunde nicht verlassen wollen, schreiender und gestikulierender Siedler, die die israelischen Soldaten wüst als "Nazis" und "Hitler" beschimpfen, zeige auch die Spaltung der israelischen Gesellschaft, schilderte Gil-Har.

"Kein nostalgisches Judenbild"

Jüdische Themen, jüdische Geschichten, Filmemacher mit jüdischem Hintergrund, provokative und die Diskussion herausfordernde Spiel- und Dokumentarfilme standen auf dem Programm der 13. Jüdischen Filmwoche (3.-17.11.), darunter der Eröffnungsfilm "Free Zone" von Amos Gitai zum Nahostkonflikt und Identitätsfragen, Gitais "Promised Land" über das Elend junger osteuropäischer ausgebeuteter Frauen in Ägypten und Israel und "Paradise Now" des palästinensischen Regisseurs Hany Abu-Assad. "Derartige Filme, die provozieren, zum Nachdenken anregen gehören auf die JFW, die kein nostalgisches Judenbild von Stetl und Klezmer-Musik präsentiert, sondern das humanistische Bild von Jüdinnen und Juden in der Konfrontation mit den Problemen der heutigen Welt", heißt es in einer Erklärung der Veranstalter.

Explizit verteidigt wird darin die umstrittene Aufnahme des Films "Paradise Now". Diese auf Vernehmungsprotokollen von verhafteten Selbstmord-Terroristen aufbauende Handlung berühre auf äußerst sensible Weise die Frage nach den Motiven der Terroristen und den Formen der Verführung junger PalästinenserInnen. Das Thema des Films betreffe das Leben von Israelis und Palästinensern und damit auch von Jüdinnen und Juden, die durch Selbstmordanschläge gemordet werden. Der Film stelle aber auch Fragen an Europäer, wie hier mit Rassismus, Antisemitismus und Fundamentalismus umgegangen werde.(APA)

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