Pornofotos in der Arztpraxis: Mediziner als Schularzt gefeuert

20. November 2005, 21:43
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Hunderte Fotos, keine Namen von Patientinnen - Nun auch Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs

Im Fall des steirischen Arztes, der Nacktfotos von minderjährigen und erwachsenen Patientinnen machte, wird auch wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Als Schularzt wurde der Mann nun vom Landesschulrat gefeuert.

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Knittelfeld/Leoben – Die Details rund um jenen Arzt in der obersteirischen Stadt Knittelfeld, dem vorgeworfen wird, pornographische Fotos von minderjährigen Mädchen und auch erwachsenen Frauen in seiner Ordination angefertigt zu haben, zeichnen ein mehr als fragwürdiges Bild des Mediziners. Wie der STANDARD berichtete, wurde gegen den praktischen Arzt der seit Donnerstag in Leoben in Untersuchungshaft sitzt, schon 1999 und 2004 wegen versuchter Vergewaltigung, Nötigung und Schändung ermittelt. Wie Thomas Mühlbacher von der Staatsanwaltschaft Leoben ausführt, handelte es sich bei dem Fall 1999 um eine Frau, die angab, von dem Arzt und weiteren Personen in einem Swingerclub verletzt worden zu sein, doch die Anschuldigungen blieben "beweismäßig eher dürftig".

Im Vorjahr soll der Verdächtige dann vor seiner Praxis eine Frau mit "intellektuellen Defiziten" (Mühlbacher) vor seiner Praxis angesprochen haben. "Er hat sie dann aufgefordert, mit ihm in die Ordination zu gehen, wo es zu sexuellen Handlungen kam", so der Staatsanwalt. Der 52-jährige Mann, der von Knittelfelder Bürgern als "geselliger, jung und dynamisch aussehender Typ mit einer gewissen Stellung in der Gesellschaft" beschrieben wird, wurde daraufhin wegen "Schändung" angezeigt. "Von einer Schändung spricht man, wenn jemand die geistige Behinderung eines Menschen ausnutzt, um sexuelle Handlungen vorzunehmen". Ein "erfahrener Gerichtspsychiater aus Graz" habe dann aber in einem Gutachten festgestellt, dass die Frau nicht so stark beeinträchtigt war, und in der Lage gewesen wäre, sich zu wehren."

Dass selbst geistig völlig unbeeinträchtigte Frauen in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arzt leichter einzuschüchtern seien, glaubt auch der Staatsanwalt, jedoch sei diese Frau keine Patientin gewesen. "Natürlich bewegen wir uns nur im Rahmen des Strafrechts. Die moralische Dimension dieses Falles zu prüfen, dazu sind wir nicht in der Lage".

Als Schularzt entlassen

Während bei Pflichtschulen die Gemeinde den Schularzt besetzt, ist bei höheren Schulen, wie jener Bundeshandelsschule, wo der festgenommene Arzt seit über zehn Jahren Schularzt war, der Landesschulrat zuständig. Dieser sprach dem Arzt am Freitag als Reaktion auf die Vorwürfe die fristlose Entlassung aus, weile er "als Schularzt untragbar" sei.

Laut der Direktorin der Handelsschule, Claudia Brandner, gingen die Schülerin "immer nur zu zweit zur Untersuchung. Manchmal bin ich sogar selbst mitgegangen." "Die Direktorin hätte zwar auf Grund der Gerüchte selbst tätig werden können, eine Entlassung kann aber nur der Landesschulrat aussprechen", heißt es aus dem Büro des SPÖ-Gesundheitslandesrates Helmut Hirt. Die Bildungslandesrätin der SPÖ, Bettina Vollath, will den Fall in Knittelfeld "zum Anlass nehmen, um mir genau anzusehen, ob es genügend Sicherheitsmechanismen gibt". Man müsse früher die Notbremse ziehen können, wenn ein Schularzt eine Gefahr für die Kinder darstellt, so die Landesrätin zum Standard.

In den nächsten Tagen werde nun weiter geprüft, ob die 13, 14 und 15-jährigen Mädchen, an denen der Arzt Intim-Piercings vornahm, bevor er sie nackt fotografierte, dabei auch Opfer sexuellen Missbrauchs wurden, sagt Mühlbacher. "Die Frage ist, ob es auf den Bildern ausschließlich zur Vortäuschung von sexuellen Handlungen kam. Das ist zwar als Kinderpornographie natürlich strafbar, aber nicht im selben Ausmaß wie ein tatsächlicher Missbrauch". "Noch viele Wochen" werde es brauchen, um hunderte Fotos von Frauen auszuwerten, die im Computer des Arztes waren. Um zu erfahren, ob die Frauen freiwillig zu den Aufnahmen bereit waren, müsse man ihre Identität erfahren. "Wir haben ja nur diese Fotos, keine Namen". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD – Printausgabe, 19./20. November 2005)".

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Polizei hofft auf weitere Hinweise von betroffenen Patientinnen und auf Mithilfe der Bevölkerung

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