Neue EU-Staaten bringen immer weniger EU-Themen in den Medien

28. November 2005, 11:06
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Studie: EU-Berichterstattung verliert an Interesse - Nachrichtenagenturen spielen wichtige Rolle

Die EU-Berichterstattung in den Medien nimmt nach Ansicht von ausländischen EU-Journalisten überwiegend ab - vor allem in den neuen Mitgliedsländern. Deutsche Journalisten gehen dagegen mehrheitlich von einer Zunahme der Berichte über die EU aus. Dies ist das Ergebnis einer Studie in zehn EU-Ländern, die am Donnerstag in Dortmund vorgestellt wurde. Demnach haben in allen Ländern die zuständigen EU-Journalisten das Gefühl, ständig darum kämpfen zu müssen, dass EU-Themen in den Medien überhaupt vorkommen.

Die Studie wurde unternommen im Rahmen des Forschungsprojekts "Adequate Information Management in Europe" (AIM), das sich drei Jahre lang mit der Rolle der EU in den Medien befasst. Für die Untersuchung wurden im März 2005 in zehn EU-Ländern mehr als 2600 Berichte aus Zeitungen und Rundfunk ausgewertet. Zusätzlich wurden 158 Journalisten befragt. Das Projekt wird am Dortmunder Erich-Brost-Institut für Journalismus in Europa (EBI) koordiniert.

Vor allem überregionale Zeitungen bringen EU-Themen

Wenn in Europa über die EU berichtet werde, dann vor allem in überregionalen Zeitungen, hieß es weiter. Eine wichtige Rolle spielten Nachrichtenagenturen. Nur wenige Medien leisteten sich eigene Korrespondenten in Brüssel. Insbesondere die Medien in Estland, Litauen und Italien verließen sich ausschließlich auf Nachrichtenagenturen. Die Berichterstattung orientiere sich überwiegend an der politischen Agenda. "Eigeninitiative bei der Themenwahl oder Recherche gibt es bei EU-Themen selten."

Zu hohe Komplexität und Abstraktheit der Themen

In den Redaktionen würden EU-Themen überwiegend im Ressort Außenpolitik bearbeitet, obwohl die EU hauptsächlich Einfluss auf nationale Politik habe. "Damit stehen EU-Themen in den Redaktionen in Konkurrenz zu anderen internationalen Nachrichten", so die Forscher. Als Hauptprobleme nannten fast alle befragten Journalisten eine hohe Komplexität und Abstraktheit der Themen sowie eine bürokratische Sprache der EU-Institutionen. "EU-Themen sind selten sexy", erklärte eine norwegische Zeitungsredakteurin.

In Deutschland fühlten sich viele Journalisten unsicher im Umgang mit EU-Themen. "Sie halten sie zwar einerseits für wichtig, wissen aber oft nicht, wie sie diese anpacken sollen." In vielen Redaktionen gebe es keine speziellen EU-Experten. "Die EU ist nur ein Themengebiet von vielen, um die sich der für Außenpolitik zuständige Journalist kümmern muss." Ausnahmen seien nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen sowie überregionale Zeitungen. Insgesamt sei Deutschland im Vergleich zu den übrigen untersuchten Ländern trotzdem überdurchschnittlich stark mit Korrespondenten in Brüssel vertreten. (APA)

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