Relaunch bei "L'Humanite"

23. November 2005, 11:14
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Pariser KP-Zeitung soll sich zu einem "Debattenblatt" hin entwickeln und hofft auf 1.500 neue Leser

Nach den Pariser Tageszeitungen "Le Figaro" und "Le Monde" erscheint ab Montag (21.11.) auch das 1904 gegründete kommunistische Blatt "L'Humanité" in einer völlig neuen Aufmachung. Ziel des Relaunch ist es nach Angaben der Direktion, 1.000 bis 1.500 Leser dazu zu gewinnen und "ausgeglichen zu bilanzieren".

"Debattenblatt"

Die neue Formel ist nach Angaben des Chefredakteurs Patrick Le Hyaric "farbiger, übersichtlicher und lesbarer". Nunmehr beginnt die Zeitung ihre jeweilige Ausgabe mit einem zentralen Tagesereignis, das auf zwei bis drei Seiten behandelt wird. Die erste Seite ist fortan zwei großen Ereignissen gewidmet. Insgesamt 16 Seiten anstatt der bisher vier werden in Farbe gedruckt. Insgesamt soll sich die Zeitung laut Le Hyaric zu einem "Debattenblatt" hin entwickeln.

Finanzielle Lage "beunruhigend"

Der Chefredakteur betonte weiter, dass der Verkauf der Zeitung bereits seit vier Jahren zunimmt. "L'Humanité" gewann innerhalb der Sozialbewegungen und auch in einem Teil der Sozialistischen Partei neue Leser dazu, so Le Hyaric. Die finanziellen Schwierigkeiten seien aber dennoch "beunruhigend". Im Geschäftsjahr 2005 wird ein Defizit von zwei Millionen Euro bei einem Umsatz von 30 Millionen Euro erwartet.

"L'Humanité" hatte im Vorjahr ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Gegründet hat das Blatt der sozialistische Politiker Jean Jaurès am 18. April 1904. Damals hatte die Zeitung vier Seiten und wurde für fünf Centimes verkauft. 1923 wurde sie Zentralorgan der Kommunistischen Partei Frankreichs und trug fortan die Symbole Hammer und Sichel auf der Titelseite. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte sich das Blatt mit mehr als 500.000 Exemplaren, nunmehr beträgt die Auflage weniger als 50.000. Für dieses Jahr rechnet Le Hayric mit einer durchschnittlichen Auflage von 51.000 Exemplaren. (APA)

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