Gewerkschaftsbank: Schlagzeilen statt Feiern

29. November 2005, 14:11
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In diesem Herbst wollte die Bawag P.S.K. die im Oktober vollzogene Fusion zur viertgrößten Bank Österreichs eigentlich ausgiebig feiern

Wien - In diesem Herbst wollte die Bawag P.S.K. die per 3. Oktober 2005 vollzogene Fusion zur viertgrößten Bank Österreichs eigentlich ausgiebig feiern. Ein Werbefeldzug war bereits vorbereitet, musste allerdings nach Auffliegen der Affäre um Refco in den USA - wo die Bank einer der größten Gläubiger ist - abgeblasen werden. Nun verliert die Gewerkschaftsbank zu Jahresende ihren Chef. Er hält für das Gesamtmanagement den Kopf hin.

Die zu 100 Prozent im Eigentum des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) stehende "Bawag P.S.K. Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse AG", wie sie mit vollem Namen heißt, ist die viertgrößte Bank in Österreich und zählt rund 1,3 Millionen Privatkunden und 60.000 Firmenkunden. Die Konzern-Bilanzsumme belief sich Ende Juni 2005 auf knapp 58 Mrd. Euro. Die Eigenmittel der Gruppe liegen bei 3,9 Mrd. Euro. Beschäftigt sind in der Bank rund 4.200 Mitarbeiter, im Gesamtkonzern - samt Nichtbank-Beteiligungen - etwa 6.800.

Beteiligungen

Die Bawag P.S.K.-Gruppe ist mit rund 36,2 Prozent der größte Gesellschafter der Österreichischen Lotterien. Wichtige Beteiligungen sind weiters die Schuhhandelskette Stiefelkönig, die die Bank nach finanziellen Turbulenzen im Jahr 2003 übernommen hatte, sowie seit 2002 die Klavierfabrik Bösendorfer. In Mittel- und Osteuropa ist die BAWAG P.S.K. in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien vertreten. In Malta existiert eine eigene profitable Operation, seit dem Sommer ist sie als erste West-Bank auch in Libyen vertreten.

Entstanden ist die Nummer vier am heimischen Bankenmarkt aus der per 1. Oktober 2005 rechtwirksamen und seit 3. Oktober im Marktauftritt vollzogenen Fusion von Bawag und P.S.K. - genau fünf Jahre nach dem Kauf der Postsparkasse durch die Bawag um 1,28 Mrd. Euro. Seit Juni 2004 steht die Bawag P.S.K. wieder zu 100 Prozent im Besitz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Die Gewerkschaft hat den 46,4-prozentigen Anteil der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zurückgekauft, die seit 1996 an der BAWAG beteiligt gewesen war.

Das Refco-Darlehen

Sollte die Bank für die Refco-Darlehen über 425 Mio. Euro voll vorsorgen müssen, entspricht das in etwa dem Dreifachen eines früher erzielten durchschnittlichen Jahresnettogewinns. Die Bank versicherte auch heute Abend, dass man selbst im Fall einer Vollwertberichtigung weiter auf einem komfortablen Eigenmittelpolster stehe.

Die BAWAG P.S.K. verfügte zur Jahresmitte über rund 160 Filialen in Österreich, dazu kommt noch der Vertrieb über die rund 1.300 Postämter, für deren Nutzung heuer rund 85 Mio. Euro an die Post gezahlt werden. Die Bank wickelt - traditionell als Erbe der früheren Postsparkasse - auch wesentliche Teile des staatlichen Zahlungsverkehrs ab. (APA)

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