Refco-Debakel im Zeitraffer

1. Juni 2006, 07:55
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Kurz-Chronologie der Refco-Affäre unter Berücksichtigung der Refco-Bawag-Geschäfte

Wien - Kurz-Chronologie der Refco-Affäre unter Berücksichtigung der Refco-Bawag-Geschäfte (wobei die Bawag in ihrer Klagsschrift die Refco-Terminisierungen rund um Bennetts Suspendierung im Oktober in Zweifel zieht, Anm.):

  • Oktober 1998 - Die BAWAG gründet Clearing-Joint Venture mit Refco (50:50) für Handel an europäischen Terminbörsen.

  • Mai 1999 - Die BAWAG steigt mit 10 Prozent beim US-Finanzhaus Refco ein.

  • Juni 2004 - Die BAWAG verkauft ihre 10-Prozent-Refco-Beteiligung an das US-Investmenthaus Thomas Lee Partners, Preis laut Medienberichten 220 Mio. Dollar.

  • Mai 2005 - Refco berichtet im Vorfeld des sommerlichen Börsegangs über Nachricht der US-Börsenaufsicht SEC zu Ermittlungen und möglicher Anklage wegen Spekulationen.

  • 11. August - Börsegang des US-Wertpapier- und Rohstoffhändlers Refco - Ausgabekurs 22 Dollar pro Aktie

  • 7. September - Refco-Aktien stiegen im Handelsverlauf auf einen Höchstkurs von 30,55 Dollar, Schlusskurs bei 30,12 Dollar.

  • 7. Oktober - Philip Bennett wird (laut späteren WSJ-Bericht) von den Refco-Gremien mit dem Vorwurf konfrontiert, 430 Mio. Dollar an faulen Krediten vor dem Unternehmen verschleiert zu haben.

  • 8. Oktober - Bennett wird die Zutrittsberechtigung für die Firmenzentrale entzogen.

  • 9. Oktober - Sonntägliche Vorstandsberatungen in der BAWAG in Wien zu Kreditvergabe

  • 10. Oktober - Der BAWAG-Kredit wird ausbezahlt. Kurz danach gibt Refco offiziell die Freistellung von Vorstands-Chef Bennett bekannt. Refco-Bilanzen seit 2002 seien nicht verlässlich. Der Aktienkurs bricht ein auf 15,60 Dollar - die Folge: 1,65 Mrd. Dollar Verlust an der Börse.

  • 12. Oktober - Bennett wird wegen Verdachts auf Wertpapierbetrug vorübergehend verhaftet. Der Aktienkurs stürzt weiter ab auf 10,85 Dollar.

  • 13. Oktober - Refco stoppt Geschäfte seiner Kapitalmarkt-Tochter wegen akuten Liquiditätsmangels - Schlusskurs der Refco-Aktien von 7,90 Dollar.

  • 14. Oktober - Der Handel mit Refco an New Yorker Börse wird ausgesetzt.

  • 16.Oktober - Die BAWAG P.S.K. räumt ein, durch Kreditlinien von 425 Mio. Euro betroffen zu sein. Vorsorge für "praktisch auszuschließende Maximalbelastung" wurde getroffen.

  • 17. Oktober - Die BAWAG P.S.K. bestätigt, dass der Kredit voll ausgeschöpft wurde.

  • 18. Oktober - Die New Yorker Börse nimmt Refco rund zwei Monate nach dem Börsegang vom Kurszettel. Abends dann die Nachricht: Refco-Gruppe insolvent, unter Gläubigerschutz nach Chapter 11.

  • 20. Oktober - Erste Sondersitzung des BAWAG-Aufsichtsrates: Keine Konsequenzen vor Bericht der Bankenaufsicht.

  • 21. Oktober - Die Finanzmarktaufsicht zieht ihre Sonderprüfung vor. Vor-Ort-Prüfung ab sofort. Alle Großkreditvergaben (insbesondere Refco) werden behördlich durchleuchtet.

  • 11. November - Die FMA leitet nach Vorlage des Prüfberichts ein behördliches Ermittlungsverfahren ein. Im Worst-case könnte ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Vorstand verfügt werden.

  • 16. November - Die BAWAG P.S.K. klagt Refco und Phillipp Bennett. Vorwürfe: Betrug, Bereicherung, Irreführung. Die Bank verlangt die Rückzahlung einer Kreditsumme von 350 Mio. Euro. Auch die Staatsanwaltschaft ist bereits eingeschaltet.

  • 17. November - BAWAG-Chef Zwettler erklärt nach heutiger Aufsichtsratssitzung überraschend Rücktritt per Jahresende, "das ist aber kein Schuldeinbekenntnis", betont er. AR-Chef Weninger betont erneut, bei Kreditvergabe sei keine Verletzung der Sorgfaltspflicht in der Bank vorgelegen.
(APA)
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