Sid Vicious' Nachkommen im Elend

24. November 2005, 09:52
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Premiere von "Schnelles Geld": Sabine Derflinger begleitete die Punks der Mariahilfer Straße über ein Jahr lang mit der Kamera

Auf einen roten Teppich oder ansonsten bei Filmpremieren mittlerweile üblichen Pomp verzichtete Sabine Derflinger. Aber das lag weder am Novembernieseln noch daran, dass es eigentlich unüblich ist, einen Film im Kino A (in diesem Fall: das Wiener Filmcasino) vorzustellen und ihn dann im Kino B (Topkino) laufen zu lassen: Irgendwie schien es, als sei Derflinger nicht nur zum Feiern zumute. "Einige meiner Protagonisten leben nicht mehr", erklärte die Filmemacherin am Mittwochabend, bevor ihr Film "Schnelles Geld" anlief. Derflinger hat die Punks der Mariahilfer Straße über ein Jahr lang mit der Kamera begleitet (DER STANDARD berichtete), und das, was sie sah und hörte in einem intimen, aber doch unaufdringlichen Dokumentarfilm zusammengefasst. Auf das Thema war die Wienerin so gestoßen wie jeder andere, der die EinkaufsStrada entlangwandert: Sie war über Punks gestolpert - oder war angeschnorrt worden. Nur griff Derflinger eben weder zu Law-&-Order-Parolen noch zum Börsel, sondern zur Kamera: "Ich wollte wissen, was das für Leute sind." Freilich wurde ihr Punk-Bild dabei ziemlich umgekrempelt: "Ich hatte Anfangs mehr Kreativität und Revolte erwartet", gestand die Filmerin "aber von dem, was Punk als Jugend- und Subkulturbewegung ursprünglich war, ist bei diesen Menschen wenig zu spüren gewesen: Das sind fast ausschließlich Armuts-Punks." (DER STANDARD - Printausgabe, 18. November 2005)
  • Galapremiere im Filmcasino: Regisseurin Sabine Derflinger dokumentierte das Leben der Wiener Armuts-Punks.

    Galapremiere im Filmcasino: Regisseurin Sabine Derflinger dokumentierte das Leben der Wiener Armuts-Punks.

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