"Was Straßenkinder brauchen, ist Familie"

18. November 2005, 21:58
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Nach Bukarest trägt Pater Sporschill sein Straßenkinder-Projekt nach Moldawien - Ukraine wird in Erwägung gezogen

Sporschill geht die Arbeit nicht aus. Nach Bukarest trägt er sein Straßenkinder- Projekt nach Moldawien. Die Ukraine wird in Erwägung gezogen. Ein Bericht anlässlich des Tages des Kindes am Sonntag.

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"Eigentlich", sagt Pater Georg Sporschil, während sich ein halbes Dutzend Kinder an ihn hängen, "ist Rumänien eine Erfolgsstory. Rumänien hat viel getan, um das Problem zu lösen."

Die Straßenkinder von Bukarest gibt es noch immer. Aber es sind weniger geworden. Und was noch wichtiger ist: Der "Nachschub" wird geringer, sagt Sporschill. Das hat vor allem den Grund, dass sich das Beitrittsland Rumänien unter dem Druck der Europäischen Union des Problems annehmen musste: Ein Staatssekretariat für Kinder wurde installiert. Die riesigen, heruntergewirtschafteten Heime mit mehreren hundert Kindern wurden aufgelöst und kleinere Einheiten geschaffen.

Es gibt viele traurige Wege, um zum Straßenkind zu werden: Da ist einmal, dass das Kind von der Mutter gleich bei Geburt weggegeben wird. Sporschill nimmt ein etwa siebenjähriges Mädchen auf den Arm und sagt: "Die Alexandra wurde im Spital zurückgelassen und kam mit etwa einem Jahr zu uns." Alexandra hat also das Glück, nie auf der Straße gelebt zu haben. Sie bekam in der "Farm für Kinder", die zu Sporschills Concordia-Projekt gehört und etwa 80 Kilometer nördlich von Bukarest liegt, ein Zuhause.

Anders die Situation der Jugendlichen im Concordia-Jugendzentrum in der Strada Apicultorlor in einem Vorort von Bukarest. Diese Kinder leben schon lange, manche mehrere Jahre, auf der Straße. "Mein Vater hat getrunken und uns geschlagen. Da sind mein Bruder und ich weggerannt", erklärt der zwölfjährige Florin.

Die Jugendlichen zwischen etwa sieben und siebzehn besuchen das Zentrum aus freien Stücken. Um sich zu waschen, zu essen und auf einer Pritsche am Gang zu schlafen. Während sie in der ehemaligen Schule sind, sind Drogen - häufig wird Lack geschnüffelt - verboten. Eine Art Ausnüchterungszelle gibt es gleich beim Eingang. Wenn die Kinder wollen, können sie wieder gehen. Wenn sie bleiben wollen, müssen sie Arbeiten im Haus übernehmen, bekommen einen fixen Schlafplatz in einem ehemaligen Klassenzimmer; beginnen, eine Schule zu besuchen und werden stufenweise in die Gemeinschaft integriert.

"Was diese Kinder wollen, ist Familie", sagt Sporschill. Eine Frage eines Kindes an die Besucher aus Österreich ist, woher sie die Kraft nehmen, ihre Kinder zu lieben. Da ist man sprachlos. (DER STANDARD - Printausgabe, 18. November 2005)

Johanna Ruzicka aus Bukarest

Raiffeisenbank Wien
Kto.-Nr. 7.034.499
BLZ 32000
www.concordia.co.at
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    Die Kosten für ein Straßenkind beziffert Georg Sporschill mit 160 Euro im Monat. Insgesamt belaufen sich die Kosten derzeit auf 1,3 Mio. Euro im Jahr, die von Spenden kommen.

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