Die westlichen Industriestaaten stoßen vermehrt Treibhausgase aus

12. Juli 2006, 14:33
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UNO: Österreich legte um 16,5 Prozent zu - ehemaliger Ostblock schönerte Gesamtstatistik dank Emissions-Reduktion

Bonn - Praktisch nur wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Warschauer-Pakt-Staaten hat sich der Ausstoß von Treibhausgasen in den Industriestaaten von 1990 bis zum Jahr 2003 verringert. Das geht aus einer am Donnerstag vom UNO-Klimasekretariat in Bonn veröffentlichten ersten umfassenden Zusammenstellung der vorliegenden Daten hervor. Bis zum Jahr 2010 erwartet das Sekretariat - den Verpflichtungen des Klimaschutzprotokolls von Kyoto zum Trotz - einen weiteren Anstieg der Treibhausgas-Emissionen.

Den Angaben der UN in den so genannten Schlüssel-Treibhausgas-Daten zufolge sank der Ausstoß in den entwickelten Ländern von 1990 bis 2003 um 5,9 Prozent. Allerdings nahm er in den westlichen Industriestaaten im gleichen Zeitraum um 9,2 Prozent zu, während in den ehemaligen Ostblockstaaten ein Rückgang um 39,6 Prozent zu verzeichnen war.

Nach Ländern sind die Veränderungen extrem unterschiedlich: Während zwischen 1990 und 2003 der Ausstoß von Treibhausgasen in Litauen um 66,2 Prozent sank, nahm er in Spanien um 41,7 Prozent zu. Die EU insgesamt liegt bei minus 1,4 Prozent.

Auch Österreich legt zu

Deutschland hat - auch dank der Wiedervereinigung - den Ausstoß von Treibhausgasen um 18,2 Prozent gesenkt und damit das Kyoto-Ziel von 21 Prozent fast erreicht. Luxemburg (minus 16,1 Prozent) und Großbritannien (minus 13 Prozent) folgen auf den aus Sicht des Klimaschutzes guten Plätzen. Die Schweiz konnte den Ausstoß um 0,4 Prozent verringern. Dagegen legten unter den EU-Staaten Österreich um 16,5 Prozent und Irland um 25,6 Prozent zu.

Spitzenposition: USA

Die USA, die das Kyoto-Protokoll ablehnen, haben im Jahr 2003 mit einem Anteil von 39,9 Prozent am Gesamtausstoß der Industriestaaten weiter die Spitzenposition eingenommen. Aus der EU stammten 24,2 Prozent der Emissionen. In den USA legte der Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 1990 und 2003 um 13,3 Prozent zu, in Japan um 12,8 Prozent, in Neuseeland um 22,5 Prozent und in Australien um 23,3 Prozent.

Vorhersage

Für die nächsten Jahre sagt das Klimasekretariat einen weiteren Anstieg der Treibhausgas-Emissionen voraus. Nachdem die Werte in den neunziger Jahren relativ stabil gewesen seien, sei ohne zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen bis zum Jahr 2010 eine Zunahme von 10,6 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu erwarten.

Dabei dürfte in den früheren Ostblockstaaten trotz einer dort einsetzenden Wirtschaftserholung der Ausstoß immer noch 18,3 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen, in den westlichen Industrieländern dagegen um 19,5 Prozent höher. Im Zeitraum von 2000 bis 2010 liegt nach dieser Prognose der Zuwachs insgesamt bei 13,0 Prozent. Der ehemalige Ostblock verzeichnet demnach ein Plus von 29,3 Prozent, die westlichen Industrieländer einen Zuwachs von 10,0 Prozent.

In den "Schlüssel-Treibhausgas-Daten" hat die UNO erstmals die Angaben von 40 Industriestaaten und 121 Entwicklungsländern über den Ausstoß an Treibhausgasen zusammengefasst. (APA/AP)

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    Gerade viele westliche Industriestaaten stoßen immer mehr Treibhausgase aus - an der Spitze sind die USA.

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