"Tourismus muss internationaler werden"

29. November 2005, 14:46
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"Österreichische Fremdenverkehr hängt noch immer zu stark von "gottgegebenen Märkten" ab so der oberste Touristiker in der WK

Wien - Der österreichische Fremdenverkehr hängt noch immer zu stark von "gottgegebenen Märkten", allen voran von Deutschland, ab. Deshalb müsse verstärkt in China und Indien um Gäste geworben werden, forderte Johann Schenner, oberster Touristiker in der Wirtschaftskammer, am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Mehr strategisches Marketing würde nicht nur die heimische Tourismusbilanz weiter aufmöbeln helfen, sondern auch neue Investitionen in den Betrieben auslösen. Zwei (von acht) Millionen Euro will die Kammer deshalb ab 2006 an ihre Außenwirtschaftsstellen geben, die in den Fernmärkten um Gäste werben sollen, wo die Österreich Werbung nicht vor Ort ist.

Mehr Jobs

Zur aktuellen Debatte um eine Sonntagsöffnung in ausgewiesenen Tourismuszonen meinte Schenner, er hoffe dass diese möglich werde. Schon allein deshalb, weil dadurch "fünf bis zehn Prozent zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden könnten". Um die Erhaltung von 77.000 Jobs geht es zudem beim Thema der Betriebsweiterführung. Um die Wettbewerbsfähigkeit bzw. die Eigenkapitalausstattung der 91.600 kleineren und mittleren Hotelbetriebe zu steigern, für die Schenner primär spricht, will er von Finanzminister Karl-Heinz Grasser einen "Steuerkredit" nach deutschem Muster. Erbschafts-, Schenkungs-und Grunderwerbssteuer sollten gestrichen werden, indem die Steuer zunächst auf zehn Jahre gestundet und bei Fortführung des Betriebs schließlich ganz erlassen wird. Als Alternative wäre den Unternehmen aber auch eine Anhebung des Freibetrages von 365.000 auf eine Mio. Euro willkommen. Bis 2010 stehen allein im Tourismus bis zu 10.000 Betriebsübergaben an.

Gute Geschäft in Zukunft

Für die kommenden Monate prognostiziert Schenner, der selbst zwei Hotels führt, jedoch gute Geschäfte. Für die Wintersaison 2005/06 ist er zuversichtlich. Unter anderem würde die EU-Präsidentschaft und das Mozartjahr mehr Gäste in heimische Hotelbetten locken. Zum Umstand, dass verstärkt Deutsche als Saisoniers im heimischen Tourismus arbeiten, meint er, dass sich der Arbeitsmarkt nicht verschließen lasse. Vielen heimischen Arbeitnehmern fehle die notwendige Flexibilität, obwohl er hofft, dass die verschärften Zumutbarkeitsbestimmungen mehr Arbeitslose in Tourismusjobs bringen wird. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2005)

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