Schülerolympiaden und Begabtenförderung in Hessen ist Vorbild

17. November 2005, 18:32
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Begabtenförderung ist ein heikles politisches Thema. Schnell fallen Begriffe wie "Elite" und "Selektion"

Das "Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung" (ÖZBF), die nationale Koordinierungsstelle für talentierten Nachwuchs, setzt auf ein integratives Modell: Hochbegabte sollen im Rahmen des Unterrichts gefördert werden – nicht auf eigens für sie eingerichtete Schulen.

Vorbild Hessen

Vorbild ist das deutsche Bundesland Hessen. Seit 1998 beschäftigt sich das hessische Kultusministerium mit dem Thema. Mittlerweile bieten‑ 62 Schulen unterschiedlicher Schulformen in allen Regionen des Landes Fördermöglichkeiten für hoch begabte Schülerinnen und Schüler an. Diese Pilotprojekte dienen als Anregung, der Ansatz ist grundsätzlich integrativ und einzelfallbezogen. Wer begabt ist oder nicht, testet die begabungsdiagnostische Beratungsstelle "Brain".

Projekte in Österreich

Auch das ÖZBF listet auf seiner Homepage jene Stellen auf, die in Österreich für Begabungserkennung und -förderung zuständig sind. Außerdem werden gerade so genannte Best-Practice-Modelle gesammelt. Derzeit sind aber erst einige wenige Einträge vorhanden: In Salzburg können Oberstufenschüler mit außergewöhnlichem räumlichen Vorstellungsvermögen in Kooperation mit der Technischen Universität Wien etwa Gegenstände am Computer designen lernen. Der so genannte "Pluskurs ELCAD"‑ (E-Learning und Computer‑ Aided Design) konfrontiert die Schüler mit Problemen, wie sie normalerweise erst in einem Designbüro auftauchen. Beim Projekt lernen Schüler, Wissen systematisch zu sammeln und im Internet zu präsentieren. So hat ein Wiener Gymnasium mit dem Völkerkundemuseum eine Website zum Thema "Straßenkinder" erarbeitet. "SchülerInnen an die Unis" ist ein weiteres Projekt: Es ermöglicht talentierten Jugendlichen, Vorlesungen zu besuchen, die sie sich für ihr Studium später auch anrechnen lassen können.

Abgesehen von Sommerakademien, Talente-Camps, Wissensolympiaden und "Plus-Kursen" können begabte Schüler auch Klassen überspringen – und zwar bis zu dreimal, bis sie 18 Jahre alt sind. Besondere Beratung brauchen meist auch die Eltern von Hochbegabten. Für sie hat das ÖZBF die hessische Broschüre "Hilfe, mein Kind ist hoch begabt!" ins Netz gestellt. (DER STANDARD, tó, Printausgabe, 18.11.2005)

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