Zahlenreiche Argumente

21. Dezember 2005, 12:22
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Was der Regierung reich dotiert scheint, ist der Opposition zu wenig

Für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ist der 456 Seiten starke "Universitätsbericht 2005", der in ihrem Ressort zusammengestellt wurde, eine einzige Erfolgsgeschichte: "Stetig steigende Studierendenzahlen", gestiegene Abschlussorientierung und wachsender Frauenanteil seien Belege für die "gute Entwicklung der Unis", sagte Gehrer.

In der Arbeiterkammer sieht man weniger Grund zur Euphorie. Hochschulexpertin Martha Eckl relativiert Gehrers "AbsolventInnenrekord" im Jahr 2003/04. 78 Prozent Erfolgsquote seien zwar "erfreulich, aber mit gestiegenen Studierendenzahlen und ,vorgezogenen‘ Studienabschlüssen infolge der Studiengebühren zu erklären".

Den Bildungssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, ärgert vor allem, "dass Gehrer den vermeintlichen Fortschritt immer an den schlechtesten Jahreszahlen festmacht. Das ist, als ob man sagen würde: Seit den Napoleonischen Kriegen ist das Universitätsbudget um 100 Prozent gestiegen." Grünewald verweist darauf, dass Österreichs Uni- Budget mit 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) "um ein Prozent unter dem OECD-Durchschnitt liegt". Seine Rechnung: "Ein Prozent des BIP wären ungefähr 2,3 Milliarden Euro. Wenn es jetzt ab dem Jahr 2007 drei Jahre lang 175 Millionen Euro mehr gibt, ist es schon sehr gewagt, das als kleines Wunder zu bezeichnen." Auch auf die Studierendenzahlen müsse man sich nichts einbilden: "Österreich und Frankreich sind die einzigen Länder, wo die Studierendenzahlen heuer niedriger sind als 1999." Allein das Faktum, dass die Unis 95 Prozent ihres Budgets durch Fixkosten gebunden hätten, zeige, wie klein der Spielraum geworden sei. (DER STANDARD-Printausgabe, 18.11.2005)

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