Wirtschaft, aber auch Umweltlobby unzufrieden

29. November 2005, 14:44
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Wirtschaftskammer sieht "überbürokratische Autorisierung" - Greenpeace, Global 2000 orten zu viele Ausnahmen

Wien - Gemischte Reaktionen sowohl in der Wirtschaft, aber auch bei Umwelt- und Tierschutzreaktionen hat die am Donnerstagnachmittag vom EU-Parlament in Straßburg beschlossene EU-Chemikalienrichtlinie REACH hervorgerufen. Die heimische Wirtschaftskammer befürchtet eine Überbürokratisierung, Greenpeace kritisiert, dass für zahlreiche Chemikalien keine Informationen zur Verfügung gestellt werden müssen. Tierschützer befürchten massenhaftes Tierleid durch die notwendig werdenden Tierversuche. Jede Organisation würdigte aber auch positive Aspekte in der Chemikalienreform.

Gegen den Standort Europa

Von einer Entscheidung "gegen den Standort Europa und für die Bürokratie" sprach Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung Umweltpolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Positiv sei der bei der Registrierung gewählte "risikobasierte Ansatz", der die Situation von Klein und Mittelbetrieben erleichtere. Potenziell riskante Stoffe müssen nämlich als erste registriert und bewertet werden. Dem stehe aber eine massive "Verbürokratisierung des Autorisierungsregimes" gegenüber, so Schwarzer. Nach dem Parlamentsbeschluss müsse die Zulassung automatisch alle fünf Jahre erneuert werden - eine Verpflichtung, bei der immer wieder dieselbe komplizierte Prozedur zu durchlaufen sei. Die "Vertraulichkeit von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen" werde von REACH massiv in Frage gestellt, kritisiert Wolfgang Eickhoff, Geschäftsführer des Österreichischen Fachverbands der Chemischen Industrie.

Die Umweltorganisationen Greenpeace und Global 2000 reagierten enttäuscht: Bei REACH habe sich die europäische Chemie-Industrie "weitgehend durchgesetzt". Mit der Verordnung sei zwar ein wichtiger Schritt gesetzt worden, durch den gefährliche Chemikalien durch weniger gefährliche Alternativstoffe ersetzt werden können. Es gebe in der Verordnung aber zu viele Ausnahmen: "Über Tausende von Chemikalien werden auch zukünftig keine ausreichenden Informationen über ihre gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen zur Verfügung stehen", so Helmut Burtscher, Experte von Global 2000.

Unnötige Tierversuche befürchtet

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten fürchtet dagegen, dass durch die notwendig werdenden Tests der Chemikalien eine unnötig große Zahl von Tieren für Versuchen sterben muss - nach einer Schätzung vom vergangenen Jahr 45 Millionen. Zwar habe man sich auf die Verwendung auch von Alternativmethoden verständigt und Tierversuche dürften erst nach Überprüfung eines Testvorschlags durchgeführt werden. Die Unternehmen würden aber nicht dazu verpflichtet, die Daten aus den Tests miteinander zu teilen. Dadurch werde unnötig zusätzliches Tierleid verursacht, kritisiert Vier Pfoten. (APA)

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