Nervenkrieg um Bawag-Führung

17. November 2005, 20:20
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Ausichtsratssitzung hat begonnen über Folgen des Prüfberichts zu beraten - Personelle Konsequenzen nicht absehbar - Bank weist News-Artikel als "Polemik" zurück

Wien - Kurz nach 16 Uhr hat am Donnerstag eine neuerliche Krisensitzung des Aufsichtsrats der Bawag P.S.K. begonnen. Das Kontrollgremium unter Vorsitz von Günter Weninger berät Konsequenzen des Prüfberichts der Aufsichtsbehörde nach dem Refco-Kreditdebakel.

Rücktritte im Spitzenmanagement der Gewerkschaftsbank galten am Nachmittag als fraglich.

Die eintreffenden Aufsichtsräte hielten sich dementsprechend bedeckt: "Ich rechne mit gar nichts", jetzt sei einmal die Sitzung, meinte Siemens-Generaldirektor Albert Hochleitner auf Journalistenfragen, ob es heute Rücktritte geben wird. Casino-Chef Leo Wallner kündigte an, überhaupt nur in der Sitzung einen Kommentar in der Causa abzugeben. Und Wiens Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm wollte sich erst nach Anhörung in der Sitzung ein Urteil bilden.

"News"-Artikel als "Polemik" zurückgewiesen

Der jüngsten Artikel von "News" zur Affäre wurde scharf zurückgewiesen. "In einem selbst für das so genannte Nachrichtenmagazin News ungewöhnlich polemischen Artikel über BAWAG und Refco werden Informationen, Gerüchte und unerhörte eigene Wertungen zu einer Geschichte aufgebauscht, gegen deren Grundtenor und Einzelheitendarstellungen sich die Bawag P.S.K. auf das Schärfste verwehrt", heißt es in einer Aussendung am Donnerstag nachmittag. Die Gewerkschaftsbank behält sich ausdrücklich weitere Schritte gegen diese "Polemik" von News vor.

News versuche den Eindruck zu erwecken, dass es in der Bawag P.S.K. kein oder ein nur mangelhaftes System der Kreditprüfung gäbe. Diese Behauptung von News sei "vollkommen unzutreffend". Selbstverständlich bestünden klare Richtlinien zur Prüfung und Vergabe von Krediten. Diese Richtlinien würden nicht zuletzt durch die Aufsichtsbehörden einer regelmäßigen Überprüfung unterzogen. "Gegen einen mit voller Absicht begangenen Betrug kann aber das beste Risikosystem keinen absoluten Schutz bieten", so die BAWAG P.S.K..

Die Bank legt Wert auf die folgenden Feststellungen:

  • Der Kredit über 350 Mio. Euro wurde nicht an Phillip Bennett privat vergeben.

  • Die Kreditgewährung erfolgte innerhalb der von den Gremien beschlossenen Kreditlimits.

  • Selbstverständlich gab es Prüfungshandlungen, die der Kreditvergabe vorangegangen sind. Insgesamt erfolgte die Kreditvergabe nach gewissenhafter Abwägung aller bekannten Fakten durch die BAWAG P.S.K. und daher zum Zeitpunkt der Kreditzuzählung mit der bestmöglichen Sorgfalt.

  • Die Geschäftsbeziehung zu Refco war über viele Jahre lukrativ für die BAWAG P.S.K., sämtliche Vereinbarungen mit Refco-Gruppe wurden in der Vergangenheit stets eingehalten.

  • Entgegen Angaben über angebliche Meldungen im "Wall Street Journal" war bis 10. Oktober nicht öffentlich bekannt, dass Phillip Bennett von Refco entlassen oder beurlaubt worden war. Im WSJ wurde der Name Refco vor dem 10. Oktober zuletzt am 4. Oktober im Rahmen einer Analyse über Marktentwicklungen genannt.

Entkleide man den News-Artikel von allen darin enthaltenen "Gerüchten, bösartigen Unterstellungen, persönlichen Wertungen und somit spekulativen Darstellungen, die nicht den Tatsachen entsprechen", bleibe von dem Artikel nicht viel übrig. Daher führten auch die von News angestellten Schlussfolgerungen nirgends hin, außer in die Irre, heißt es abschließend. (APA)

  • Der Aufsichtsrat der BAWAG P.S.K. tagt derzeit um erneut über die Refco-Affäre zu beraten.

    Der Aufsichtsrat der BAWAG P.S.K. tagt derzeit um erneut über die Refco-Affäre zu beraten.

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