Deutsche Zeitschriftenverlage rechnen mit leichtem Anzeigenplus

27. Dezember 2005, 15:32
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Positive Entwicklung des Online-Werbemarktes: Zuwachs bei Zeitschriften von 32 Prozent

Trotz Verlusten im Anzeigengeschäft im ersten Halbjahr 2005 rechnen die deutschen Zeitschriftenverlage für das kommende Jahr mit leicht wachsendem Umsatz. Mit einem nachhaltigen Plus im Anzeigengeschäft ist nach Einschätzung des Verbandes aber erst zu rechnen, wenn Gesamtkonjunktur und Binnennachfrage wieder in Fahrt kommen.

Es gebe einige Kriterien, die dafür sprächen, dass die Werbekonjunktur anziehe, sagte der Geschäftsführers des Spiegel-Verlages, Karl Dietrich Seikel. Bereits im letzten Quartal sei ein Anstieg zu verzeichnen gewesen. Der Verband gehe davon aus, dass dieser Trend anhalte. Im Vertriebsgeschäft würden positive Impulse durch die zahlreichen Einführungen neuer Titel in der zweiten Jahreshälfte 2005 erwartet.

Die Vertriebserlöse gewinnen den Angaben zufolge für die Verlage zunehmend an Bedeutung. Während die Brutto-Anzeigenerlöse von rund 2,7 Mrd. Euro in den ersten zehn Monaten des Jahres mit einem Minus von 1,5 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien, sei die Auflage der 460 größten Publikumszeitschriften in drei Quartalen in Folge leicht gestiegen, sagte Seikel. Mit der jetzt gestarteten bundesweiten Belieferung des Discounters Penny mit einem Pressesortiment sei ein wichtiger neuer Vertriebskanal geöffnet worden.

Positiv habe sich der Online-Werbemarkt entwickelt, an dessen starkem Wachstum die Zeitschriften mit einem Zuwachs von 32 Prozent im ersten Halbjahr überproportional profitiert hätten, sagte Seikel. Weitere zusätzliche Einnahmen flößen den Verlagen aus Investitionen in Nebengeschäften wie Editionen von Büchern, CD-ROMs oder DVDs zu.

Auch die Fachpresse äußerte sich optimistisch. Bei rund 25 Prozent der rund 100 befragten Verlage entwickelten sich die Inlandsumsätze im Vergleich zum Vorjahr "deutlich besser" und "etwas besser", rund 60 Prozent erwarteten hier ein stabiles Niveau, sagte der Herausgeber Fachmedien Verlagsgruppe Handelsblatt,Uwe Hoch. Auch die Ertragslage werde für 2005 überwiegend positiv beurteilt.

Darüber hinaus müssten sich die Zeitschriften intensiver um junge Leser bemühen, mahnte Seikel. So sei das Internet heute für 67 Prozent der unter 20-Jährigen die erste Informationsquelle. Die Zeitschriften folgten mit 39 Prozent erst auf Platz drei. "Wenn wir die Zukunft des Mediums Zeitschrift langfristig sichern wollen, dann müssen wir stärker als bisher junge Leser über das Internet und Mobilangebote an Zeitschriften heranführen." Als äußerst positiv bewertete er das Projekt "Zeitschriften in Schulen".

Die VDZ-Mitgliedsverlage haben 2004 in Deutschland mit insgesamt mehr als 35.000 Beschäftigten einen Umsatz von 7,3 Mrd. Euro erwirtschaftet, wie VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner sagte. Laut IVW seien 2004 fast drei Mrd. Zeitschriften verkauft worden.

Angesichts der Cicero-Affäre forderte er von der künftigen Bundesregierung einen wirksamen Quellenschutz vor staatlichem Zugriff. Dieser müsse auch den Schutz von Handy- und Telefongesprächen und aller anderen Formen elektronischer Kommunikation umfassen. (APA/AP)

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