Paris: Rodin-Museum erweitert sich

24. November 2005, 17:51
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Neue Kapelle und Ausstellungsräume

Paris - Nach mehr als zweijähriger Renovierung zeigt das Pariser Rodin-Museum seine herrliche Kapelle wieder. Das neugotische Bauwerk, das 1822/23 nach Plänen des Architekten Jean Lisch errichtet wurde, erweitert die Ausstellungsfläche des Museums um mehr als 5.000 Quadratmeter. Zur Eröffnung ist seit Donnerstag - dem 88. Todestag des französischen Bildhauers Auguste Rodin - die Ausstellung "Die Skulptur im Raum" zu sehen. Sie zeigt bis zum 26. Februar 106 Skulpturen von Rodin, Giacometti, Brancusi, Antoine Bourdelle und Louise Bourgeois.

Gäste im Hotel Biron

Die Kapelle liegt gleich rechts neben dem schmiedeeisernen Portal des 1919 gegründeten Museums, das sich im Hotel Biron befindet - einem Palais aus dem 18. Jahrhundert, in dem Rodin von 1908 bis zu seinem Tod im Jahr 1917 lebte. Der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke gehörte ebenfalls zu den berühmten Bewohnern des Hotel Biron: Er war drei Jahre lang Rodins Sekretär.

Die Räume der Kapelle werden durch eine riesige Glasdecke von Licht durchflutet und mit schmalen, schräg versetzten Trennwänden strukturiert. Der moderne Eingangsbereich steht im Kontrast zum Schiff mit seinen Bogenfenstern. Durch seine großen Glasflächen gibt er den Blick frei auf den umliegenden Park und das benachbarte zweistöckige Palais, das sich der Perückenmacher Abraham Peyrenc erbauen ließ.

Nach der 14 Millionen Euro teuren Renovierung verfügt das Museum nun über zusätzliche Räume auf sieben Stockwerken; die Hälfte der rund 5.000 Quadratmeter ist für wechselnde Ausstellungen bestimmt. "Die Restaurierung der Kapelle war auf Grund ihrer Struktur nicht einfach", sagte Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres, "ich bin glücklich, die Kapelle und ihre Ausstellungsräume einweihen zu können."

Flachdach und blaues Licht

Die Kapelle war einst von den Schwestern vom heiligsten Herzen Jesu gegründet worden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Dach zerstört, weshalb sie nun ein Flachdach hat. Besonders ansehnlich sind die noch erhaltenen blauen Kirchenfenster, die an die ursprüngliche Bestimmung erinnern und heute ein markantes Licht auf die Eröffnungsausstellung werfen.

"Die Skulptur im Raum" befasst sich mit der Frage nach der Bedeutung des Sockels bei Rodin, aber auch bei Constantin Brancusi und Alberto Giacometti. Im Mittelpunkt steht das riesige Rodin-Gipsmodell "Bürger von Calais", das sich auf einem rund fünf Meter hohen Holzunterbau erhebt. Gleich dahinter stehen vier winzige Figuren von Giacometti, die vor dem monumentalen Denkmal fast zu verschwinden scheinen. (APA/dpa)

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