Skandalhistoriker Irving in Haft

22. November 2005, 15:58
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Britischer Holocaust-Leugner ist in der Steiermark verhaftet worden: Er wird ver­dächtigt, gegen das Verbots­gesetz ver­stoßen zu haben - mit Kommentar von RAU

Irving wollte vermutlich an einem Treffen der Burschenschaft Olympia teilnehmen.


Graz/Wien – Der britische Holocaust-Leugner David Irving sitzt, wie erst am Donnerstag bekannt wurde, seit nunmehr sechs Tagen in Österreich hinter Gittern.

Der 67-Jährige wurde vergangenen Freitag in der Nähe des steirischen Hartberg von der Autobahninspektion aus dem Wagen heraus festgenommen. Er befand sich offenbar auf dem Weg zu einem Vortrag in Wien, der von – so ist auf Irvings Homepage zu lesen – "mutigen Studenten" organisiert worden sein soll. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) vermutet jedenfalls, dass es sich bei den Einladenden um die Burschenschaft Olympia handelt; ein entsprechender Link sei inzwischen aus der David-Irving-Homepage gelöscht worden. Laut Dokumentationsarchiv haben die Wiener Burschenschafter zwischen 11. und 13. November 2006 ihr "Stiftungsfest" gefeiert.

Die Olympia ist, so das DÖW, als rechtsextrem einzustufen. Auch das Innenministerium musste sich schon mehrfach mit den rechten Recken auseinander setzen.

Irving wurde von den Inspektoren bei der Ausweiskontrolle erkannt und aufgrund eines seit 1989 gegen ihn bestehenden Haftbefehls ins Landesgericht Graz gebracht. Zwei Tage später, am Sonntag, erfolgte die Überstellung nach Wien, wo der Verdächtige sofort in U-Haft genommen wurde. Der erste Haftprüfungstermin findet in eineinhalb Wochen statt.

Irving soll gegen Artikel 3g des österreichischen NS-Wiederbetätigungsgesetzes verstoßen haben, ihm drohen ein bis zehn Jahre – bei besonderer Gefahr bis zu 20 Jahre – Haft. Grundlage des Haftbefehls gegen den britischen Staatsbürger ist laut Staatsanwaltschaft Wien die Leugnung der Existenz von Gaskammern in den NS-Konzentrationslagern bei mehreren Vorträgen 1989 in Wien und und in der Steiermark.

Am 6. November 1989 sollte er etwa im Wiener Parkhotel Schönbrunn sprechen, aufgrund von Protesten wurde die Veranstaltung aber kurzfristig an einen anderen Ort verlegt. Kurze Zeit später musste er nach Deutschland "ausweichen": Für einen von der Burschenschaft Brixia am 10. November 1989 in Innsbruck organisierten Auftritt übersiedelte Irving aufgrund des zu dem Zeitpunkt schon bestehen den Haftbefehls kurzerhand nach Bayern.

Der 1938 im britischen Essex geborene Irving hat sich laut dem Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR) seit Anfang der Sechzigerjahre schreiberisch betätigt. Vor allem die beiden Hitlerbiografien "Hitlers Weg zum Krieg" und "Hitlers Krieg" machten ihn bekannt und lösten heftige Kontroversen aus. So behauptete er, Adolf Hitler habe von der Vernichtung der Juden nichts gewusst. In anderen Publikationen berief er sich laut IDGR unter anderem auf das "Leuchter"-Gutachten. Der US-Amerikaner Fred Leuchter behauptet darin, es habe in Auschwitz-Birkenau und Majdanek keine Gaskammern gegeben.

Auf seiner eigenen Homepage veröffentlicht Irving nicht nur seine Verhaftung, es findet sich noch ein anderes, pikantes, Detail: Unter dem Titel "David Irving held in Austria" wird berichtet, dass er privat den deutschen Dramatiker Rolf Hochhuth auf dem Weg nach Österreich besucht habe. Hochhuth war erst Anfang des Jahres wegen einer Äußerung zu Irving, wonach es "idiotisch" sei, Irving als Holocaust- Leugner zu bezeichnen, heftig attackiert worden. Hochhuth hatte sich später entschuldigt. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2005)

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    David Irving war laut Angaben auf seiner Internetseite auf dem Weg zu einem Treffen mit Burschenschaftern.

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