Skandal-Schiri Hoyzer ins Gefängnis

2. Dezember 2005, 16:19
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Bestochener Referee zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt - Bewährungsstrafe für Marks - Hoyzer nach Urteil geschockt

Berlin - Der ehemalige Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer muss für zwei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis. Diese Strafe, die deutlich über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinausging, hat wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs die 12. Strafkammer des Berliner Landgerichts verhängt. Die Anklage hatte für Hoyzer bloß eine Bewährungsstrafe gefordert.

Der im Wett- und Manipulationsprozess als Drahtzieher geltende Ante Sapina erhielt wegen des gleichen Deliktes eine Haftstrafe von zwei Jahren und 11 Monaten ohne Bewährung. Gegen Exschiedsrichter Dominik Marks wurde eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung ausgesprochen. Ante Sapinas Brüder Milan und Filip erhielten Bewährungsstrafen in Höhe von 16 Monaten bzw. 12 Monaten. Das Verfahren gegen den ehemaligen Fußballprofi Steffen Karl, der sich als einziger der sechs Angeklagten nicht schuldig bekannt hatte, wurde abgetrennt, es soll am 22. November fortgesetzt werden.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Anwälte von Ante Sapina und von Hoyzer kündigten Revision an, die binnen einer Woche beim Landgericht Berlin eingereicht werden muss. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig wird darüber befinden, ob die Revision zugelassen wird.

Richterin Gerti Kramer stellte in Aussicht, dass die Freiheitsstrafen gegen Hoyzer und Sapina im offenen Vollzug verbüßt werden könnten. Der offene Vollzug dient dazu, den Übergang von Gefangenen in die Freiheit zu erleichtern, zum Beispiel durch Arbeit außerhalb der Anstalt. "Beide haben die Chance auf ein frühzeitigeres Ende, wenn sie sich gut bewähren", sagte Kramer.

Hoyzer (26), der an elf Spielmanipulationen im deutschen Fußball beteiligt war, hatte lediglich bestritten, selbst die Initiative ergriffen zu haben. Laut Hoyzer war Ante Sapina, der Geschäftsführer des durch den Skandal legendär gewordenen Berliner Cafe King, der Hauptdrahtzieher. Sapina soll durch die Bestechung von Profis und Schiedsrichtern bei 23 Spielen hunderttausende Euro Gewinn erzielt haben. Allein beim Zweitligaspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem MSV Duisburg am 3. Dezember 2004 soll Ante Sapina 240.000 Euro gesetzt und 870.000 Euro lukriert haben.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. "Das Gericht hat die kriminellen Handlungen hoch bewertet. Im Wesentlichen haben sich unsere Ermittlungen bestätigt", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Er kündigte zivilrechtliche Schritte gegen Hoyzer an. Der DFB zahlte unter anderem dem Hamburger SV eine Entschädigung in Millionenhöhe, nachdem Hoyzer am 21. August 2004 mit zwei ungerechtfertigten Elfmetern und dem Ausschluss von HSV-Stürmer Emile Mpenza dafür gesorgt hatte, dass der Regionalligist Paderborn den HSV in der ersten Cuprunde mit 4:2 besiegte.

20.000 Euro soll Hoyzer von Sapina damals für die Partie kassiert haben, nun bekam er die Quittung. (sid, APA, fri, DER STANDARD Printausgabe 18. November 2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Robert Hoyzer ist von Fotografen umgeben als er nach Verlassen des Gerichts in Berlin in ein Auto steigt.

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