50 Börsegänge 2006 in CEE-Ländern

29. November 2005, 12:29
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Die Raiffeisen Centrobank erwartet in den zentral- und osteuropäischen Ländern - ohne Russland - rund 50 Kapitalmarkttransaktionen

Wien - Die Raiffeisen Centrobank (RCB) erwartet für 2006 in den zentral- und osteuropäischen Ländern - ohne Russland - rund 50 Kapitalmarkttransaktionen. Erstmalige oder zusätzliche Börsegänge, weitere Privatisierungen und Kapitalerhöhungen dürften rund 5 Mrd. Euro Gesamtvolumen haben, sagte RCB-Vorstandsdirektor Gerhard Grund am Mittwochabend in Wien vor Journalisten.

In den südosteuropäischen EU-Kandidatenländern Rumänien, Bulgarien und Kroatien dürfte es acht bis zehn Transaktionen mit einem Volumen von 1 bis 1,5 Mrd. Euro geben. In diesen Ländern bestehe sowohl von Seiten der Politik als auch der Unternehmer der "echte Wille, Unternehmen an die Börse zu bringen". Die "pro Börse-Einstellung" sei generell größer als in Österreich, Familien-Tycoons seien viel offener, auch was die erforderliche Transparenz angehe.

Enormes Potenzial

"Das Potenzial ist enorm", meinte auch Erich Obersteiner, Leiter Equity Markets CEE der RCB. Die zukünftige Börsenentwicklung sei "relativ locker" zusehen. Die Investoren könnten sich "relaxed" zurücklehnen, auch bei Korrekturen. Motor für die gesamte Region sei der große Nachholbedarf im Vergleich zu den EU-Ländern sowie die durch die EU-Mitgliedschaft verbundenen Beitrittshilfen.

Die nächste Welle von Börsegängen würden mittelständische Unternehmen und schon privatisierte Unternehmen sein. Das Volumen werde sich bei einzelnen Transaktionen auf mehrere 100 Mio. Euro belaufen, meinte Grund.

Meist werden die Aktien doppelt gelistet, einmal an der Heimatbörse und ein zweites Mal an einer internationalen Börse. Vor allem die Börse in London und die New Yorker Nasdaq seien beliebt, an die Wiener Börse werde leider seltener gedacht, so Grund. Auch die Frankfurter Börse komme für ein Zweitlisting kaum in Frage. "Die wichtigste Zweit-Börse ist London, von der Liquidität her ist sie sogar die Erst-Börse", so Obersteiner. In Russland träumten alle Unternehmer dagegen von der New Yorker Börse. "Damit wollen sie zeigen, dass sie es auch können."

Stimmungswandel

"Wir sind die Speerspitze", meinte Wolfgang Putschek, Vorstandsdirektor der Raiffeisen Investment AG (RIAG). Die 100-Prozent-Tochter der RCB tritt unter anderem als Regierungsberater bei Privatisierungen auf. Putschek sieht großes Potenzial für IPOs in den CEE-Ländern: "Es ist ein Stimmungswandel eingetreten, viele erfolgreiche Unternehmen suchen jetzt schon einen Teil-Ausstieg über einen Börsegang."

Die rumänische Börse ist mit 60 gelisteten Unternehmen und einer Marktkapitalisierung von 8,8 Mrd. Euro noch relativ unbedeutend. Die Marktkapitalisierung entspricht rund 15 Prozent des BIP. Die RIAG bewerbe sich derzeit um das Privatisierungsmandat der Romtelecom, sagte Putschek.

Bulgarien werde sich recht schwer tun, einen Kapitalmarkt zu installieren, meinte Obersteiner. Per Ende 2004 seien 332 Unternehmen gelistet gewesen. Die Marktkapitalisierung entsprach mit 703 Mio. Euro nur 3,6 Prozent des BIP. Die im Wesentlichen abgeschlossenen Privatisierungen hätten dem Kapitalmarkt nichts gebracht, so Obersteiner.

Kroatien fortgeschritten

Die Privatisierungen in Kroatien seien bereits weit fortgeschritten, blieben bisher aber ohne nachhaltig positive Auswirkungen auf den Kapitalmarkt. Eine Wende könnte die zweite Privatisierungsstufe der INA bringen, bei der die RIAG mit Merrill Lynch als Berater der Regierung fungiert. An der Börse sind 166 Firmen gelistet. Mit einer Marktkapitalisation von 8,4 Mrd. Euro - das entspricht rund 30 Prozent des BIP - liegt sie gut im Schnitt der CEE-Länder. Beim Umsatz hinkt sie allerdings nach.

Die türkische Börse ist dagegen von hohen Umsätzen gekennzeichnet. Das sei schon seit Jahren so, so Obersteiner. Die Mentalität sei wohl anders als in den CEE-Ländern. Der Umsatz beträgt bereits fast 150 Prozent der Marktkapitalisierung von rund 84 Mrd. Euro. 297 Unternehmen sind gelistet. (APA)

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