Grazer Geheimnisse zum Nachlesen

17. November 2005, 12:42
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Neue Publikation lädt zur Zeitreise durch Mittelalter und Renaissance ein

Graz - In den engen und krummen Gassen der steirischen Landeshauptstadt, in den Hinterhöfen und den verborgenen Winkeln hinter den barocken und historistischen Fassaden sind sie noch zahlreich zu entdecken - die steinernen Zeugen des Mittelalters und der Renaissance in Graz. Zu einer Zeitreise zu den "Geheimnissen des Mittelalters und der Renaissance" lädt die Wiener Kunst- und Literaturhistorikerin Gabriele Praschl-Bichler in ihrem jüngsten, im Grazer Stocker Verlag erschienenen Buch.

"Seit meinem ersten Besuch in Graz hat mich die unglaublich weitläufige und gut erhaltene Altstadt bezaubert. Hier verbinden sich mittelalterliche Baukunst und Eleganz mit südländischen Farben und Formen, wie man sie nur in ganz wenigen österreichischen Städten findet. Allerdings ist es nicht immer einfach, die Zeugen aus frühen Tagen sofort zu finden", so die Autorin. Mit ihrem 184-seitigen, reich bebilderten Band hat sie einen leicht lesbaren "Reiseführer" in die Grazer Vergangenheit vorgelegt.

Architektonische Zeugnisse

Zu Beginn steht eine kurze Einführung in das Wesen des Mittelalters und der Renaissance generell - dann führt die Autorin den Leser auf mehreren Spaziergängen zu bekannten und - besonders reizvoll - weniger bekannten architektonischen Zeugnissen dieser Zeit in der Grazer Altstadt. So erfährt man, wo Johannes Kepler in Graz wohnte, dass sich das älteste profane Fresko der Stadt in der Grazer Sackstraße 8 befindet oder dass die nach dem Stadtrichter aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, Max Stempfer, benannte Stempfergasse die erste nach eine Bürger benannte Gasse ist.

Auch über die Herkunft der so genannten Blutgasse erhält der Leser Auskunft. Der dunkle, enge Weg, der sich in flachen S-Linien entlang des Berghanges zur Hofgasse schlängelt, verfügt über eine schaurige Vergangenheit: Zum Tode verurteilte Personen mussten ihren letzten Weg zur Hinrichtung auf dem Hauptplatz durch diese Gasse nehmen.

Alltag

Dazwischen gestreut sind zahlreiche Schilderungen über den damaligen Alltag - vor allem des Bürgertums: Von der zweifelhaften Sauberkeit der mittelalterlichen Badehäuser, von heute noch vorhandenen Latrinen und Rauchkuchln, von Turnieren und Teufelsaustreibungen, aber auch den rohen Sitten am Kaiserhof. Wermutstropfen an der Publikation: Man vermisst einen Index, welcher das schnelle Auffinden von Informationen wesentlich erleichtern würde. (APA)

Gabriele Praschl-Bichler "Geheimnisse des Mittelalters und der Renaissance - Der Grazer Vergangenheit auf der Spur", Stocker Verlag Graz 2005, 184 Seiten, ca 80 S/W- und Farbabbildungen, Hardcover, 19,90 Euro, ISBN 3 7020 1108 0

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